In Hannover gehen nur Punk und klassischer Metal? – Pah!
Mit dieser Split gibt es einen amtlichen Death-Metal-Doppel-Whopper aus der Landeshauptstadt.
Den Anfang machen GRAND DEVOURER mit ihrem von der ´Traversing the Void´ EP bekannten HM2 Death Metal. Der ist weiterhin kein Abklatsch alter Sunlight Scheiben sondern bedient sich unterschiedlicher Elemente. Insgesamt wurde der D-Beat Anteil etwas runtergeschraubt, dafür gibt es etwas mehr Black Metal Einflüsse. Schade, andersrum war es eher mein Sound. Die Basis ist weiterhin der Death Metal der nicht nur wegen des Sounds ordentlich was niederwanzt. Der Sound des Openers bindet geschickt moderne Elemente ein, ohne die old School Wurzeln zu vernachlässigen. Coll ist die Idee, den titelgebenden Song Night Haunter´ von der ersten ZOMBIE RIOT EP zu covern. Der hat allein aufgrund der Produktion mehr Wucht. Schade, dass GRAND DEVOURER zum Ende (zu) viele Obertöne eingebaut haben, die strengen mit der Zeit an und so ziehe ich das Original unterm Strich vor. Dann aber folgt das absolute Highlight: ´Wrath Incarnate´. Der Track schafft es trotz einer beschwingten Melodie, die sich sofort im Hirn festsetzt, einen aggressiven Song vorzulegen. Das wird geholtzt und in der Mitte groovt die Sache wie Sau. GRAND DEVOURER machen nicht den Fehler anderer Bands eine so gelungene Melodie zu oft zu wiederholen. Für mich ist der Track ein kleiner Hit, der einen festen Platz in der Setlist haben dürfte.
Dann übernehmen ZOMBIE RIOT, die ebenfalls drei neue Songs und eine Coverversion im Köcher haben. Der Sound ist, wie zu erwarten war, old schooliger, aber nicht weniger überzeugend. Die Jungs schließen, was Sound und Qualität angeht, nahtlos an das wirklich starke ´World Epitaph´ Album an. Es wird losgeballert ohne zwischenzeitliche Finessen zu vergessen. Mehr muss man da nicht schreiben. Zum Schluss gibt es dann ein Cover, das zu Sound und Bandname passt: ´Zombie Ritual´. Der DEATH Evergreen wird zum Glück nicht groß verändert, was will man daran auch verbessern? Eben.
Aber natürlich habe ich auch wieder etwas rumzumäkeln. Warum gibt es das Teil nicht auf Vinyl? (Grüße an Kernkaft-Kay) Und warum gibt es keine Releaseparty, um die Ohren von dem ganzen Weihnachtsschmalz freizublasen? Na ja, zumindest kann man die Scheibe ja über Kopfhörer, wenn sich wie bei mir der alltägliche Gang rund um die Marktkirche oder sonstige Weihnachtsmärkte nicht verhindern lässt.
Unterm Strich bleibt aber von Musik, Sound, Layout und Idee eine wirklich empfehlenswerte Split. So geht (gesunde) Szene!
Tracklist / Songs: The Beauty And The Beer (2005) Ice-Olation We Still Drink The Old Ways Forsaken World Rockstars No. 1 The Beauty and the Beast Blue Rage - Black Redemption Frankfurt: We Need More Beer Metaltometal Dirty Digger Shaken Not Stirred
Thirst (2008) Octan Warriors Depostis Priates Stay Thirsty! Hyperthermia Echoes of Fear When Daddy Comes to Play Zodiac Man G.A.L.O.W. Myevilfart Sexy Feet Under
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Gerre - Vocals Frank - Bass Andy - Gitarre Gerd - Drums, Bild:
Tracklist / Songs: 1. I‘ll Be The One 2. Don‘t Think This Is Over 3. The Sound Of A Nation 4. Another Paper Moon 5. It‘s Just My Heart Breakin’ 6. Show Some Emotion 7. Heart? What Heart! 8. Fallin’ Apart 9. I Don’t Wanna Fight
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Peter Goalby – Vocals Mick Box – Gitarre John Sinclair - Keyboards, Bild:
Man soll niemals nie sagen. Das durfte nun auch der ehemalige URIAH HEEP Frontmann Peter Goalby feststellen. Denn „I Don’t Think This Is Over“ hätte eigentlich schon Ende der 80er Jahre erscheinen sollen. Doch die Mastertapes galten lange Zeit als verschollen.
Weshalb und unter welchen Umständen ein Mastertape verschwinden kann, bleibt leider ungeklärt. Doch nach mehr als 30 Jahren soll ein schlecht beschriftetes Band in einem Lager aufgetaucht sein. Auf diesem befanden sich die verschollen geglaubten Aufnahmen aus dem Jahr 1987, die nun unter der Aufsicht von Goalby himself überspielt wurden und von den ehemaligen URIAH HEEP Mitstreitern Mick Box (Gitarre) und John Sinclair (Keys) den letzten Schliff bekommen haben. Das Warten hat sich gelohnt, denn die neun Songs des Albums sind über weite Strecken echte Hits. Stilistisch manövriert der 75-jährige Brite zwischen PAUL ROGERS, EDDY MONEY, THE HOOTERS, GIANT und TOTO und frisst sich mit unwiderstehlichen Melodien in Ohren und Herzen eines jeden AOR/Classic Rock Fans. Während sich Goalby mit den ersten Songs noch etwas warmspielt, kann bereits „The Sound Of A Nation“ richtig überzeugen. Und spätestens bei „Another Paper Moon“ ist es dann um einen geschehen. Was für ein Chorus, was für eine Eingängigkeit. „It’s Just My Heart Breakin‘“ atmet auch den Geist von Nik Kershaws „Wouldn’t It Be Good” oder Künstlern wie HUEY LEWIS & THE NEWS. Bemerkenswerter ist jedoch das darauffolgende „Show Some Emotions“, was mich an die melancholische Note der THE HOOTERS erinnert. Der Sound des Albums mag etwas zu höhenlastig sein, doch Goalbys Stimme überzeugt von Anfang bis Ende. Und allein „Another Paper Moon“ und „Show Some Emotion“ sind Grund genug, dem Hausmeister zu danken, der das verschollene Band gefunden und nicht entsorgt hat. Mit „I Don’t Think This Is Over“ bietet PETER GOALBY einige großartige Classic Rock Momente zwischen Melancholie und Eingängigkeit. Für mich die Entdeckung des Jahres 2025.
Tracklist / Songs: CD 1: 1. 60 Years! 2. Coming Home 3. Gas In The Tank 4. Make It Real 5. The Zoo 6. Coast To Coast 7. 70s Medley 8. Bad Boys Running Wild 9. Delicate Dance 10. Send Me An Angel
CD 2: 1. Wind of Change 2. Loving You Sunday Morning 3. I’m Leaving You 4. New Vision - Mikkey’s Solo - The Slot 5. Tease Me Please Me 6. Big City Nights 7. Still Loving You 8. Blackout 9. Rock You Like A Hurricane
Tracklist / Songs: 1. Frantic Disruption 2. Dead of Night 3. Crushed 4. Krokodil 5. Pound of Flesh 6. To the Hilt 7. Time and Tide 8. Sorcerer 9. For All the Wrong Reasons 10. Crisis 11. Western Apocalypse
Es scheint, als machen die Nordlichter langsam ernst(er) – gut so.
In den ersten sieben Jahren haben die PHANTOM CORPORATION nur zwei EPs und zwei Splits rausgebracht und nun zwei Alben innerhalb von gut zwei Jahren. Auch live sind die Jungs wesentlich aktiver und nebenbei auch immer eine Bank, wie sie erst neulich beim Necromania Festival unter Beweis gestellt haben.
Diese höhere Schlagzahl geht zum Glück nicht auf Kosten der musikalischen Qualität. Auch wenn eine Prise weniger Thrash enthalten ist, sollten alle, die den Vorgänger ´Fallout´ geschätzt haben auch mit dem aktuellen Langeisen sehr zufrieden sein.
Die Basis des Sounds ist für mich immer noch Crust. Ein Problem dieses Genres ist, dass mir viele Bands mit der Zeit zu eintönig werden, das ist und war bei PHANTOM CORPORATION nicht der Fall. Im Vergleich zu anderen Crusties sind die Songs hier doch länger, die Mehrheit hat eine Spieldauer von um die 4 Minuten oder sogar länger. Daran wird schon deutlich, dass auch Soli ihren Platz haben, die wissen in der Regel auch zu gefallen, lediglich bei ´Sorcerer´ wird es mir ein bisschen zu lutschig. Aber keine Angst, mit Tracks wie ´Krokodil´ (nein, zum Glück keine Schni Schna Schnappi Coverversion) oder ´Crisis´ gibt es auch kompakte Abrisse. Obwohl die Tracks immer im Genre-Rahmen bleiben, klingen sie sehr unterschiedlich und haben einen Wiedererkennungswert. Das liegt auch an den Hooklines, die sich schnell in der Hirnrinde festbrennen. Hört euch als Beispiel mal ´Up To The Hilt´ an. Und der Titeltrack bietet von der Gitarrenarbeit außergewöhnliche Passagen. Drummer Mark treibt die Songs auch auf dem neuen Album nach vorne, man hört, dass er auch schon in so mancher Death Metal Band getrommelt hat. Und Shouter Leif klingt weiterhin schön gallig, dadurch dass er etwas tiefer „singt“, wird es nie hysterisch oder nervig.
Soundtechnisch fällt positiv auf, dass der Bass nicht nur beim Beginn von ´Dead Of Night´ mehr Platz im Sound bekommen hat. Ansonsten klingt die Scheibe, wie es sich für diese Art von Mucke gehört: kraftvoll, aber mit etwas Schmutz, sowie Ecken und Kanten.
Wer mehrdimensionalen Crust sucht, der nie das nötige Galle- und Aggressionslevel vermissen lässt, ist bei PHANTOM CORPORATION weiterhin goldrichtig aufgehoben.
Noch ein Tipp für alle Kurzentschlossenen: Am 12.12. ab 17h stellt die Band das Album live bei Hot Shot Records in Bremen vor. Der Eintritt ist frei.
Tracklist / Songs: [Sampler des Boxsets] 01 - All You Need To Know [von Disc 1] 02 - What Have We Sown [von Disc 1] 03 - Tightly Wound [von Disc 2] 04 - Too Far Gone [von Disc 3] 05 - The West Coast [von Disc 3] 06 - Nothing At Best [von Disc 4] 07 - The State We're In [von Disc 4] 08 - All The Wars [von Disc 5] 09 - Someone Pull Me Out [von Disc 5] 10 - Seasons Past [von Disc 6] 11 - Bond [von Disc 7] 12 - Last Man Standing (Acoustic Version) [von Disc 7] 13 - Burning Pieces (Acoustic Version) [von Disc 7]
Weihnachtszeit. Es ist guter Brauch, dass gegen Ende des Jahres Bands ihre Fans virtuell "beschenken" mit Sonderpublikationen. Man kann es sich natürlich schenken lassen. So oder so kriegt gibt es die Veröffentlichung üblicher Weise nur über das bekannte Tauschgeschäft Geld gegen Ware. Ein wörtliches Geschenk ist es nicht. Bruce Soord hat sich wieder daran gemacht, den Backkatalog von The Pineapple Thief strukturiert durchzugehen. Herausgekommen ist eine sieben CD und eine BluRay umfassende Sammlung namens Retracing Our Steps (2007-2014).
Tracklist / Songs: 1. Rolling Thunder (Vocals: Tugal & Portner) 2. All Known Man (Portner) 3. It Might Get Loud (Portner) 4. Higher (Tugal) 5. The Wolf (Portner) 6. (Not The One To) Blame (Tugal) 7. It´s All Right (Portner) 8. Poor Man (Portner) 9. Light ´Em Up (Portner) 10. Hell On Wheels (Tugal)
Der Name BLACKYARD RIOT klingt schon nach Riffrock, Kettenfett und AC/DC. Und machen wir uns nichts vor: live überzeugt das sicher. Die Band selbst erwähnt unter anderem AIRBOURNE, AC/DC und BACKYARD BABIES als Inspiration. Es handelt sich allerdings nicht um Newcomer, sondern Musiker, die ihre Erfahrungen teils in der AC/DC Coverband SIN CITY sammelten. Deren Sänger Porty Porter übernahm bei einigen Songs auch das Frontmikro (siehe Tracklist). Die ersten Songs sind schon ziemliche Knaller, obwohl Refrains wie "It might get loud - you got to scream and shout!" ein bisschen zu simpel gestrickt sind. Dafür stimmen die Riffs, die ihre Einflüsse nicht leugnen können und wollen.
Tracklist / Songs: 1. The Audition 2. Barcelona 3. Cigarette Girl 4. Don’t Count on Me 5. Everything in Moderation (especially moderation) 6. Fleas (live at MySpace) 7. Generation Z (demo) 8. Hardcore 84
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Die vier Jungs, die das in A und B-Note viel besser können, Bild:
Wie bitter: NOFX demontieren ihren Legendenstatus.
Um es vorwegzunehmen: Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreibe, aber diese NOFX Platte ist nicht wirklich wichtig und auf gewisse Weise ärgerlich.
Denn gerade was das Geschäftliche anging, waren NOFX wohl nicht nur für mich vorbildlich. Aber schon die letzte EP kam zu überhöhten Preisen auf den Markt. Zumal die Songs gemeinsam mit den letzten beiden Alben aufgenommen wurden und auf denen noch locker Platz für die Tracks war.
Nun ackern sich die Punkrocker mit raren Songs auf drei Alben durch das Alphabet. An sich eine coole Idee, die erste Scheibe bietet Songs von ´A-H´ und bleibt unter 20 Minuten. Da ´The Decline´ nicht mehr kommen kann, gehe ich davon aus, dass zwei Scheiben locker gereicht hätten.
Musikalisch gibt es für den langjährigen Fan und Sammler (und der ist wohl die Zielgruppe der Scheiben) nicht viel Neues, die Demoversionen sind OK, mir reichen die Originale aber aus. Wer alles von ´S&M Airlines´ bis ´Double Album´ im Schrank hat, kann über die Anschaffung nachdenken, alle anderen sollten erst die regulären Alben anschaffen, die bleiben zum Glück absolute Perlen.
War Of Being von TesseracT wird schön weiter als Cash Cow abgemolken. Gab es anfangs das reine Studioalbum, kam dann Anfang 2025 eine Tour-Edition, die noch eine EP mit drei Livestücken des RADAR Festivals 2024 in Manchester, UK beinhaltete, so steht nun der Film RADAR - The Concert nebst O.S.T., also Original Soundtrack, an. Formal nichts anderes als ein Livealbum des besagten Auftritts. Auch wenn sich Vorangestelltes negativ kritisch anhört, kann ich eine Begeisterung über die Konserve des Konzerts nicht unterdrücken. Und will es auch gar nicht!
01. Sun Magenta 02. Statua 03. Neptunian Hearts 04. House of Rain 05. Brontide 06. Intervallo 07. Your Holocene 08. Chiesa Dell’alba 09. Ipernotte 10. Post Poetic 11. Onde
Seit über 35 Jahren gibt es Novembre jetzt schon. Deshalb kann man guten Gewissens von Veteranen sprechen, die dem atmosphärischen Gothic und Doom Metal durchaus ihren Stempel aufzudrücken vermochten.
Tracklist / Songs: 01. Rust 02. Vengeance My Brother 03. Deceiver 04. Sinister Warfare 05. He Who Never Sleeps 06. Flammenland 07. King Of Slaves 08. From Ruins I Rise 09. When The Abyss Opens 10. Legion, Our Pride
Tracklist / Songs: 1. Torch The Saints 2. Feed The Earth With Bodies 3. Oh Lord, Come Dance With Me 4. Flesh Vessels 5. Dirigent des Niedergangs 6. In Igne Ardeo 7. Burnt Out Into Oblivion (CD-Bonus Track)
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Sebastian Hübner - Drums Marko Kolac - Vocals, Guitars, Bild:
Das Info verspricht eine kraftvolle Mischung aus Post-Black-Metal, Sludge und Death Metal, das stimmt mich erwartungsfroh.
Leider können die Salzburger die Erwartungen, die ich an eine solche Mélange habe, nicht erfüllen. Das fängt schon damit an, dass ich den Death Metal Einfluss nicht wirklich ausmachen kann. Und viel Sludge findet sich auch nicht, noisig und wirklich schwer klingt ´Exitus Triumphalis´ nicht. Diese Platte wartet nie mit fetten Stiefeln voran, sie schwebt stellenweise eher mit Ballarinas. Post Black Metal findet sich dagegen reichlich und so zieht das Duo das Tempo auch mal an, ohne giftig zu werden. Ein Schwachpunkt des Albums sind für mich die Vocals, die sich irgendwie zwischen die Stühle setzen, nicht wirklich aggressiv und nicht anrührend. Es war wohl beabsichtigt, dass sie verzweifelt klingen, mit zunehmender Spielzeit werden die für mich nervig. Klasse hingegen ist das oft sehr dynamische und kraftvolle Drumming, das den Songs ein gutes Fundament gibt.
Das Instrumental ´Burnt Out Into Oblivion´ mein Favorit auf der Scheibe. Hier setzt die Band mal klar auf die ruhigere Seite und schafft es, mein Kopfkino anzuwerfen.
Unterm Strich ist mir ´Exitus Triumphalis´ insbesondere aufgrund der Gitarrenmelodien zu sphärisch und zu wenig düster und beklemmend ausgefallen. Aber ich bin vielleicht auch einfach nicht die Zielgruppe für diesen Sound, denn auch mit den von vielen geschätzten HARAKIRI FOR THE SKY werde ich überhaupt nicht warm. Alle, die sich diese gerne zu Gemüte führen, sollten ´Exitus Triumphalis´ nicht nur antesten, weil deren J.J. einen Gastauftritt hat.
Tracklist / Songs: 1. Into the Abyss 03:40 2. Witchhammer 03:59 3. Nightstalker 04:32 4. Pulse of Time 01:01 5. From Sadness to Anger 04:19 6. No More Room in Hell 04:03 7. Reign of Faith 04:21 8. Iron Rain 04:16 9. When the City Sleeps 03:23 10. Massive Attack 03:03
Wenn die Langhaarigen wieder am Stromkasten rumfummeln, dann knallt es eben irgendwann. Gut, wenn man dann die Nummer vom Metalectricer griffbereit hat.
Tracklist / Songs: 01 - Jein 02 - Der beste Rapper ist offensichtlich ich 03 - Erdbeben 04 - Rock Mics 05 - Ich liebe mich 06 - Wackelige Angelegenheit 07 - Hamburg Calling 08 - The Grosser 09 - Wär das nicht derbe 10 - Für immer immer 11 - Amsterdam 12 - Denxu 13 - Fast 31 14 - Da draussen 15 - Spitzer Stein 16 - Nordisch By Nature [Feat. Tobi, Bo, Jan Delay & Gaze] 17 - Emanuela 18 - Das letzte Lied auf der Party 19 - Fettes Brot - Brot weint nicht 20 - Echo 21 - An Tagen wie diesen [Feat. Pascal Finkenauer] 22 - Können diese Augen lügen 23 - Kannste kommen 24 - Bettina zieh dir bitte etwas an 25 - Schwule Mädchen [Feat. Meute]
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Doktor Renz (Martin Vandreier) - Rap König Boris (Boris Lauterbach) - Rap Björn Beton (Björn Warns) - Rap
Begleitband
Gast-Musiker am Mikrophon Der Tobi & Das Bo Eißfeldt aka Jan Delay Gaze Pascal Finkenauer Meute
Video URL: https://www.youtube.com/watch?v=F6VgKl3_vLs, Video - Titel: Fettes Brot - An Tagen wie diesen [Feat. Pascal Finkenauer] - Brotstock - Die letzte Show der Welt, Objekt - Position: Links
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Zwei Sommer nach dem letzten Auftritt von Fettes Brot, wird nun die Konserve des Konzertes auf die Menschheit losgelassen. Ich durchschaue nicht so ganz, welche VÖ-Datum man sich nun tatsächlich vorstellte. Im selben Presskit findet man den 28. November 2025, aber auch den 1. Advent, also den 30. November 2025. Also veröffentlichen wir das Review dazwischen.
Tracklist / Songs: Paradox I Walk Alone The Fallen World Sicilian Danza Ghost Memories Eden And Eclipse From Star To Dust Reality Kings In The Sand Mornings Of Fear Son Of Illusion
15 Jahre ist es her, dass mich „The Modern Age“, das Zweitwerk der französischen Melodic Power Metal Institution DARKTRIBE, begeistert hat. Während sich die Welt im Allgemeinen wie im Kleinen seitdem vollkommen verändert hat, begeistern DARKTRIBE noch immer.
Mit dem Instrumental „Paradox“ leiten DARKTRIBE ihr nunmehr viertes Album „Forgotten Reveries“ ein, welches sich u. a. mit den Gegensätzen von Leben und Tod und Hoffnung und Verzweiflung beschäftigt. Entsprechend düster ist auch das überaus gelungene Artwork des französischen Künstlers Baptiste Araujo ausgefallen, welches leider bislang nur im CD-Format zu bestaunen ist. Melancholisch und düster klang der Power Metal der Franzosen schon immer, so dass mir auch anno 2025 Vergleiche mit Bands wie VANISHING POINT, MOONLIGHT AGONY oder CRYSTALLIONs 2009er Werk „Hundred Days“ passender erscheinen als mit STRATOVARIUS oder gar BLOODBOUND – auch wenn es natürlich auch hier Übereinstimmungen in der musikalischen DNA gibt. Insofern bin ich etwas verwundert, wo der ansonsten geschätzte Metal Hammer Kollege Marc Halupczak dominante weihnachtliche Streicher und Glocken hört, so dass er sich erst durch eine Schicht Zuckerguss schlecken musste, um die Songs zu hören. Natürlich leben die Songs der Südfranzosen von großen Keyboards, es läuten auch mal Glocken und streichen Streicher, aber im Großen und Ganzen leben die Kompositionen doch von den starken Riffs sowie von Anthony Agnellos herausragendem Gesang. Die Rezension im Metal Hammer erinnerte mich eher an MAJESTICA oder MEMORIES OF OLD und die musizieren nun doch in einer ziemlich anderen Ecke. DARKTRIBE verbinden kraftvolle Riffs mit großen Melodien und wirken dabei zu keiner Sekunde schmalzig oder kitschig, auch wenn es natürlich neoklassische Momente und Arrangements gibt. Doch unterm Strich klingen die Kompositionen auf „Forgotten Reveries” zu ernsthaft, um aufs Gleis der Bubble-Gum-Melodic-Metal-Franktion abgeschoben zu werden. Sicherlich sind (je nach Geschmack) nicht alle Songs des Albums gleich gut, aber richtige Ausfälle gibt es meiner Meinung nach auch nicht und ich kann mir „Forgotten Reveries” problemlos in Dauerschleife anhören – wenn ich in der richtigen Stimmung dazu bin. DARKTRIBE unterstreichen mit „Forgotten Reveries” einmal mehr, dass sie trotz aller qualitativen Konstanz zu den unterbewertetsten Bands des Genres gehören und gut 30 Jahre nach ihrer Gründung endlich auch von einer breiteren Hörerschaft gehört werden sollten. Man wird es jedenfalls nicht bereuen, so viel kann ich versprechen.
Tracklist / Songs: 01. Chill 'Em All 02. Mosh O'Clock 03. Work Eat Sleep Repeat 04. Welcome To The Blast Beach 05. Fresh Metal Fights Fascism 06. Forever 23 07. Ready To Get Wasted Again 08. I Feel Black 09. Good Enough For Me 10. 23/7 11. No Money Back 12. I Won't Go
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Hannes Klopprogge – Gesang, Gitarre Luca Micelli – Gesang Phil Butcher – Gitarre Jackson Fleck – Bass Theo Berberig – Schlagzeug, Bild:
Ich bin natürlich wieder etwas spät dran, denn das aktuelle Album von THE PROPHECY23 ist bereits im August erschienen. Doch ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es niemals zu spät ist, denn wie der Chronograph zeigt ist es exakt „Mosh O’Clock“! Glück gehabt!
Fünf Jahre sind seit dem exzellenten „Fresh Metal“-Album vergangen und die Welt ist eine vollkommen andere als damals. Doch eine Sache hat sich (fast) nicht verändert: In den großen Printmagazinen haben THE PROPHECY23 nach wie vor einen schweren Stand und die Mischung aus Thrash, Hardcore und Death Metal fiel auch auf diesem Album wieder bei meinen Kollegen von Deaf Forever und Metal Hammer durch. Zu wenig roter Faden, zu klamaukig, zu grün. In der Suppe der Heilbronner ließen sich viele Haare finden – kein Wunder, dass Frontmann Hannes mittlerweile Platte trägt. Lediglich im Rock Hard zeigt sich Kollege Küper angetan und bescheinigte den Crossover-Mosher mit „Mosh O’Clock“ die bislang stärkste Scheibe abgeliefert zu haben. Der erneute Einstieg in die deutschen Charts scheint ihm recht zu geben. Doch unabhängig von Chart-Platzierungen bleibt „Mosh O’Clock“ für mich das stärkste Album seit dem stärksten Album, welches eindeutig „Fresh Metal“ war. Aber auch davor lassen sich in der Diskografie der Baden-Württemberger absolute Hits finden, die den Kritikern offenbar entgangen sind. „Party like it’s ‘84“ anybody? Um nur ein Beispiel zu nennen. Doch zurück zum aktuellen Werk der Fresh Metaller. Die sind ihrem eigenen Stil absolut treu geblieben und haben für ihre Mischung aus groovenden Riffs, schnellen Passagen und punkigen Ausflügen bei Kai Stahlenberg in den Kohlekeller Studios genau den passenden Sound verpasst bekommen – auch wenn mich im Label-Info der Hinweis „bekannt für Top-Alben … von ELECTRIC COWBOY etwas verwirrt hat. Meines Wissens haben die nicht einmal einen guten Song, geschweige denn ein ganzes Album. Doch dessen ungeachtet hat Stahlenberg den Songs auf „Mosh O’Clock“ einen richtig fetten Sound verpasst, so dass der Kopf unweigerlich in den Nick-Modus verfällt, wenn „Chill ‘Em All“ das Album eröffnet. Der titelgebende Nachfolge-Song ist zwar gut, verliert aber gegen „Work Eat Sleep Repeat“, welches an dritter Stelle des Albums rangiert. Und während man an anderer Stelle den „Humor“ der Band kritisierte, bin ich ein absoluter Fan der Wortspiele von THE PROPHECY23: „Welcome To The Blast Beach“ ist aber nicht nur ein cooler Songtitel, sondern auch ein hörenswerter Song. Dass die Band keine Kirmestruppe ist, beweist „Fresh Metal Fights Fascism“, mit dem ganz klare Kante gezeigt wird. Zwar ist nicht alles Gold, was grün ist und so hat sich etwa mit „I Feel Black“ auch ein kleiner Stinker eingeschlichen, doch „Good Enough For Me“ holt die Band dann schon wieder aus dem schwarzen Loch empor. Und während „23/7“ vor allem mit dem Titel begeistert, holt mich der Crossover in „No Money Back“ wieder voll ab. Und die Gang-Shouts in „I Won’t Go“ sind absolut präzise gesetzt. Hier zahlt sich das permanente Touring der Band hörbar aus. Ein gelungener Abschluss für ein absolut stimmiges Album! Mit einem Album wie „Mosh O’Clock“ in der Hinterhand dürfte es THE PROPHECY23 ziemlich egal sein, ob sie in den großen Mags regelmäßig schlechtgeredet werden oder nicht, denn die Truppe hat sich ohnehin längst eine solide Fanbase erspielt. Und Album Nr. 5 enthält so viele gelungene Crossover-Mosher, dass man sich sicherlich nicht hinter jüngeren Veröffentlichungen von Szenegrößen wie SUICIDAL TENDENCIES verstecken muss. In diesem Sinne: Thrash Fresh!
Tracklist / Songs: 1. Andel Slizu 2. Genisis P. Orridge 3. Take It Or Leave It 4. Maldorör Disco 5. Bochnatky 6. Beast Within 7. Bicycle Day 8. Doppelgänger 9. El Teide 10. Slatina
Master´s Hammer machen Master´s Hammer Sachen und ich fühl´ mich Disko – frei nach Christian Steiffen!
Bemerkenswert, dass es immer noch “Puristen” gibt, die sich auch nach acht Alben und unzähligen EPs, Splits und Compilations immer noch von der künstlerischen Herangehensweise der tschechischen Paradiesvögel triggern lassen. Von einem Kollektiv, das seit jeher auf Konventionen scheißt und sich noch nie wirklich in das (Black) Metal-Korsett pressen lassen, geschweige denn überhaupt auf Heavy Metal reduzieren ließ – Schubladen in denen man diese unnachahmlich kauzigen Originale immer gerne sieht oder sehen wollen würde…
Aber Master´s Hammer waren und sind schon immer so viel mehr gewesen, vielleicht so etwas wie Avantgarde für “Hinterweltler”. Für mich persönlich sind Master´s Hammer die kleine hässliche Cousine von Laibach aus dem Riesengebirge. “Maldorör Disco” ist so düster wie farbenfroh-verstörend – Kraftwerk meets EBM meets Darkwave und Gothic meets 80er- und 90er-Synthie-Pop inklusive Techno-Avancen. Die Rock- und (Black-) Metal-Gitarren sorgen zwar für ordentlich Druck und den finalen Tritt in den Allerwertesten. Der Einsatz erfolgt allerdings wohldosiert und im Kern bilden die Saiteninstrumente den entscheidenden dekorativen Rahmen, mit dem die Vibes, die Haltung und der Werdegang der Protagonisten hervorgehoben werden.
Master´s Hammer bitten zu einem ganz besonders makabren Tanz, der geprägt ist von tiefschwarzem, verschrobenem Humor und uriger Selbstironie.
“Maldorör Disco” ist Geheimtipp und Highlight 2025 zugleich!
Das Instrumentarium schlägt zurück. War das 2019 veröffentlichte Live-Album Stummfilm. Live From Hamburg. A Seats And Sounds Show schon eine Wucht, so ist Live At Lichtburg schlicht überirdisch.
Tracklist / Songs: 1 - Sudden Impact 2 - A Place for Disgrace 3 - Fire Raider 4 - Your Last Breath 5 - Hypnotized 6 - Rip your Bones 7 - Whispers of Time 8 - Beware of the Shark 9 - The Chase 10 - Fight the Rules of Power
Nach zwei in Eigenregie veröffentlichten EPs und zwei Singles haben Listenable die roten Haie aus Spanien an den Haken genommen und veröffentlichen nun REDSHARKs zweiten Longplayer namens „Sudden Impact“.
Bereits der titelgebende Opener „Sudden Impact“ offenbart die Marschroute des Fünfers: Der Song klingt wie der kleine Bruder von „Bonded By Blood“, gespielt von einer US-Metal Band. Starker Einstieg. Epischer wird es hingegen beim eingängigeren „Fire Raider“, welches nach Aussage der Band in Anlehnung an MANOWAR und VIRGIN STEELE Songs entstanden ist. Dass diese Bands auch bei „Fight the Rules of Power” Pate gestanden haben, ist für mich unzweifelhaft. Wobei mir der Rausschmeißer mit seiner gnadenlosen Geschwindigkeit und Pau Correas exzellentem Gesang, der tatsächlich an Eric Adams und David DeFeis erinnert, noch besser gefällt als „Fire Raider“. „Sudden Impact“ bietet 41 Minuten hörenswerten US-Metal, der zwar Ecken und Kanten hat, jedoch zu jeder Zeit auch eingängig ist und ununterbrochen die Nackenmuskulatur des Hörers angreift. Und ob wir von VIRGIN STEELE nochmal einen Song auf dem Level von REDSHARKs „Rip Your Bones“ geboten bekommen, wage ich zu bezweifeln. Musikalisch klingt das Zweitwerk der Spanier wie die geballte Faust des roten Hais auf dem Cover, denn die Mucke ist zu jeder Sekunde druckvoll und die Songs haben jede Menge Durchschlagkraft. Starke Scheibe!
AViVA ist die Australierin Aviva Anastasia Paynem, die 2019 in Los Angeles ihre Zelte aufschlug, um fortan von dort aus Musik zu machen. Eyes Wide Shut ist ihr sechstes Album und wird mit dem folgenden das Sujet einer cyber-futuristische Gesellschaft bedienen.
Tracklist / Songs: 1. The Greatest Gift Of All 2. Go Tell It On The Mountain 3. Heaven Came (On Christmas Day) 4. Little Drummer Boy 5. Still The Light 6. Silent Night 7. On This Holy Night 8. Joy To The World 9. Reason For The Season 10. Winter Wonderland
Kling Glöckchen kling, es weihnachtet sehr und das bemerkt man unter anderem daran, dass auch in der Rock- und Metal Szene vermehrt Weihnachts-Songs und -Alben veröffentlicht werden. Aber wem, wenn nicht STRYPER, nimmt ein solches Projekt ab?
Die Wurzeln von „The Greatest Gift of All“ reichen bis ins Jahr 1985 zurück, als mit „Reason For The Season“ eine erste Weihnachtssingle von STRYPER erschienen ist. Laut Aussage von Gründungsmitglied Michael Sweet haben die Fans seit jenem Jahr nach einem vollständigen Album verlangt, so dass die Band diesem Wunsch nun nachgekommen ist. Die Idee war es, fünf traditionelle Weihnachtssongs mit fünf eigenen Songs zu kombinieren. So hat man den mehr oder weniger offensichtlichen Klassikern nun die Eigenkompositionen „The Greatest Gift of All“, „Heaven Came“, „Still the Night“, „On This Holy Night“ sowie besagtes „Reason for the Season“ zur Seite gestellt - sowie "Winter Wonderland", welches bereits 1985 - mit "Reason for the Season" als B-Seite - schon mal von den Gottes-Rockern vertont wurde. Und man muss sagen, dass die Kombination recht gut funktioniert und am Ende ein gut verdauliches Weichnachts-Hard-Rock-Album herausgekommen ist. Die Schwiegermutter wird nicht vergrault und die Hardrocker in der Familie müssen sich nicht mit WHAM begnügen. Brauchte die Welt dieses Album? Vermutlich nicht! Aber es schadet auch nicht und bringt mal wieder ein wenig Beschaulichkeit und vorweihnachtliche Stimmung in den Alltag. Wer das komplette Album haben möchte, muss übrigens auf eine der verschiedenen physischen Versionen zurückgreifen, denn digital gibt es nur die drei ausgekoppelten Singles – digital gibt es das vollständige Album nur als sogenanntes KiT-Album. Oh, Lord!
Equinox ist ein Album, das man nicht einfach „hört“. Es ist ein Album, das man betritt.
Von der ersten Sekunde an bricht Equilibrium aus jeder Erwartungshaltung aus.
Kein Rückgriff auf alte Formeln, keine Kopie der eigenen Klassiker — dieses Album fühlt sich an wie ein Tor zwischen zwei Welten, das langsam, mit tiefer Stimme und viel Licht im Hintergrund aufschwingt.
Fabian Getto liefert auf seinem ersten Equilibrium-Album eine beeindruckend natürliche Leistung ab. Er klingt, als wäre er schon immer Teil dieser Welt gewesen – rau, klar, emotional und absolut passend zur neuen Atmosphäre des Albums.
Das Schönste daran: Es klingt, als hätte die Band endlich wieder gefunden, wonach sie in den letzten Jahren gesucht hat. Nicht Nostalgie. Nicht Modernisierung um der Modernisierung willen. Sondern Identität.
Der Sound – weit, organisch, kinoreif
Was dieses Album von Anfang an trägt, ist sein Mix: breit, warm, rund, aber mit einer klaren metallischen Kante.
Gitarren, die nicht dröhnen, sondern fließen
Drums, die dynamisch spielen, statt nur Druck zu machen
ein Bass, der sich organisch in die Szenerie einfügt
und darüber ein Teppich aus Streichern, Synthesizern, tribalartigen Percussions, Chören und schamanischen Vocals
Equilibrium haben es geschafft, das Folk-Element subtiler, erwachsener einzubauen. Kein Instrument schreit mehr „Folk“, sie atmen es einfach.
René Berthiaume glänzt wie selten zuvor. Sein Gespür für Cinematic-Breite, Layering und organisches Songwriting trägt das gesamte Werk. Man hört in jeder Sekunde, dass Equinox von seiner Vision lebt.
“Earth Tongue” – ein Übergangsritual
Der Opener beginnt mit einem unheimlich dichten Atmosphärenbild: rhythmische Trommeln wie Herzschläge, ein fernes Flüstern, Stimmen, die wie Wind durch alte Ruinen streichen. Es ist kein klassischer Start, es ist ein Ritual, das die Tür zum Album öffnet.
Wenn dann die Gitarren reinkommen, fühlt es sich nicht an wie ein „Break“, sondern wie eine natürliche Fortsetzung. Equilibrium erschaffen hier ein Weltgefühl, nicht einfach einen Song.
Frauenstimmen als Kern, nicht Dekoration
Einer der größten Stärken von Equinox: die Willenskraft, Frauenstimmen nicht im Hintergrund zu verstecken, sondern ihnen Raum zu geben.
1. In „Nexus“ – die Erzählerin
Eine weibliche Spoken-Word-Stimme taucht auf, warm, dunkel, fast prophetisch. Kein opernhaftes Trällern, keine symphonische Standard-Stimme — sondern eine Erzählerin, die dem Song eine neue Perspektive schenkt. Eine Stimme, die nicht „schön“ sein will, sondern wahr.
2. In “Borrowed Waters” – Roniit, das Herzstück
Dann kommt der Song, der das Album emotional zusammenzieht: „Borrowed Waters“.
Roniit setzt sich hier nicht einfach auf ein paar Harmonien — sie trägt den Song. Ihre Stimme schwebt wie Nebel über einem See, klar, mystisch, verletzlich und stark zugleich. Der Track verbindet Witch-Pop, Ambient Folk, cinematische Klangflächen und eine fragile Intensität, die sofort unter die Haut geht.
Es ist ein Moment, in dem man Equilibrium spürt wie selten zuvor: nicht als Metalband, sondern als Geschichtenerzähler.
Zwischenräume – das Herz des Albums
Der Mittelteil ist ein Dialog aus Mikrodetails:
kleine elektronische Pulsierungen,
chorale Flächen, die wie aufziehende Wolken wirken,
Stimmen, die im Hintergrund wie Geisterfragmente auftauchen,
Gitarren, die nicht alles dominieren, sondern mal führen, mal tragen, mal verschwinden,
und Drums, die oft intuitiv wirken, als folgten sie dem Atem eines Tieres und nicht einem Raster.
"Archivist" ist ein atmosphärischer Ruhepunkt – ein Übergang, der den inneren Rhythmus des Albums perfekt trifft. "Ill Be Thunder" bringt die moderne Härte, aber jetzt mit Substanz und ohne künstliche Aggression.
Der Schluss – ein echter Neubeginn
Im letzten Drittel lädt Equinox noch einmal alle Elemente ein:
das Ritualhafte aus dem Anfang,
die Frauenstimmen,
die cineastische Größe,
die organische Härte,
die Naturmetaphern,
und das Gefühl einer gemeinsamen Reise.
Es ist selten, dass ein Equilibrium-Album so kohärent, so atmosphärisch, so reif wirkt.
Nicht „zurück zu den Wurzeln“, sondern zurück zu sich selbst.
Fazit
Equinox ist für mich das beste Equilibrium-Album seit Sagas — aber nicht, weil es klingt wie früher, sondern weil es den Mut hat, anders, tiefer und ehrlicher zu sein. Es ist ein Album, das wächst, das sich öffnet, das Räume schafft. Ein Album, das dich ansieht und sagt: Bleib ein bisschen. Hör genau hin. Ich habe Geschichten für dich.
Tracklist / Songs: Ltd. Deluxe 2CD Jewelcase in O-Card (CD 1: 60:50 + CD 2: 48:02 = 108:52 min.)
CD 1: Remaster 2025 (60:50)
1. The Unorthodox (Remaster 2025) (00:38) 2. Enigma (Remaster 2025) (07:03) 3. Incipience to the Butchery (Remaster 2025) (01:58) 4. In the Veins/Darker Than Black (Remaster 2025) (04:40) 5. Everlasting (Remaster 2025) (05:31) 6. After Afterlife (Remaster 2025) (04:33) 7. Nocturnal (Remaster 2025) (05:32) 8. A Curfew for the Damned (Remaster 2025) (04:28) 9. Cold Sun (Remaster 2025) (02:52) 10. Requiscon by Pace (Remaster 2025) (01:24) 11. Dead but Dreaming (Remaster 2025) (04:02) 12. When All is Said (Remaster 2025) (06:52) 13. Beyond the Unknown (Remaster 2025) (03:49) 14. The Day of Maturity (Remaster 2025) (03:42) 15. Human Aberration (Remaster 2025) (03:35)
CD 2: Remix 2025 (48:02)
1. The Unorthodox (Remaster 2025) (00:37) 2. Enigma (Remix 2025) (07:04) 3. Incipience to the Butchery (Remix 2025) (01:58) 4. In the Veins/Darker Than Black (Remix 2025) (04:37) 5. Everlasting (Remix 2025) (05:28) 6. After Afterlife (Remix 2025) (04:34) 7. Nocturnal (Remix 2025) (05:30) 8. Human Aberration (Remix 2025) (03:34) 9. Requiescat in Pace (2025 Version) (01:10) 10. Cold Sun (Remix 2025) (02:49) 11. Dead but Dreaming (Remix 2025) (04:02) 12. When All is Said (Remix 2025) (06:32)
Transp. magenta LP (49:48 min.) Side A (24:30): 1. The Unorthodox (Remaster 2025) (00:38) 2. Enigma (Remaster 2025) (07:03) 3. Incipience to the Butchery (Remaster 2025) (01:58) 4. In the Veins/Darker Than Black (Remaster 2025) (04:40) 5. Everlasting (Remaster 2025) (05:31) 6. After Afterlife (Remaster 2025) (04:33) Side B (25:18): 1. Nocturnal (Remaster 2025) (05:32) 2. A Curfew for the Damned (Remaster 2025) (04:28) 3. Cold Sun (Remaster 2025) (02:52) 4. Requiscon by Pace (Remaster 2025) (01:24) 5. Dead but Dreaming (Remaster 2025) (04:02) 6. When All is Said (Remaster 2025) (06:52)
Digital album “Unorthodox (Remaster 2025)” (60:50 min.)
1. The Unorthodox (Remaster 2025) (00:38) 2. Enigma (Remaster 2025) (07:03) 3. Incipience to the Butchery (Remaster 2025) (01:58) 4. In the Veins/Darker Than Black (Remaster 2025) (04:40) 5. Everlasting (Remaster 2025) (05:31) 6. After Afterlife (Remaster 2025) (04:33) 7. Nocturnal (Remaster 2025) (05:32) 8. A Curfew for the Damned (Remaster 2025) (04:28) 9. Cold Sun (Remaster 2025) (02:52) 10. Requiscon by Pace (Remaster 2025) (01:24) 11. Dead but Dreaming (Remaster 2025) (04:02) 12. When All is Said (Remaster 2025) (06:52) 13. Beyond the Unknown (Remaster 2025) (03:49) 14. The Day of Maturity (Remaster 2025) (03:42) 15. Human Aberration (Remaster 2025) (03:35)
Digital album “Unorthodox (Remix 2025)” (48:02 min.)
1. The Unorthodox (Remaster 2025) (00:37) 2. Enigma (Remix 2025) (07:04) 3. Incipience to the Butchery (Remix 2025) (01:58) 4. In the Veins/Darker Than Black (Remix 2025) (04:37) 5. Everlasting (Remix 2025) (05:28) 6. After Afterlife (Remix 2025) (04:34) 7. Nocturnal (Remix 2025) (05:30) 8. Human Aberration (Remix 2025) (03:34) 9. Requiescat in Pace (2025 Version) (01:10) 10. Cold Sun (Remix 2025) (02:49) 11. Dead but Dreaming (Remix 2025) (04:02) 12. When All is Said (Remix 2025) (06:32)
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Bass – Anders Lindberg Drums – Benny Larsson Guitar – Andreas Axelsson, Sami Nerberg Vocals – Dan Swanö, Bild:
Tübingen, zweite Hälfte der 90er Jahre: Vor der Stefan-Hartmann-Halle, in der damals noch das „Bang Your Head Festival“ stattfand, kam ich mit einem jungen Mann mit schulterlangem Haar ins Gespräch. Bei diesem ausgesprochen gesprächigen Schweden handelte es sich um Dan Swanö, der nicht nur als Frontmann von EDGE OF SANITY Karriere gemacht hat, sondern der nun auch für Remaster und Remix seines Gesellenstücks „Unorthodox“ verantwortlich zeichnet.
In der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts veröffentlichten EDGE OF SANITY Alben im Jahresrhythmus. Und so folgte dem 1991er Debüt „Nothing But Death Remains“ bereits 1992 das weitaus bemerkenswertere „Unorthodox“, bevor 1993 bzw. 1994 mit „The Spectral Sorrows“ und „Purgatory Afterglow“ vielleicht die bedeutendsten Alben der Bandgeschichte erschienen. Während „Unorthodox“ im Wesentlichen schwedischen Death Metal präsentierte, ließ sich doch erkennen, dass die Band um Frontmann Swanö und Gitarrist Andreas Axelsson auf dem Weg zu neuen Ufern war. Neben den knarzigen HM2-Sounds und wilder Raserei fanden allenthalben eingängige Melodien und ausgreifende Arrangements den Weg in die (ursprünglich) 14 Songs des Zweitwerks. Diese Tendenzen setzten sich dann auch auf den folgenden Alben fort, was EDGE OF SANITY den Rang einer der hörenswertesten Bands innerhalb der schwedischen Death Metal Szene bescherte. Damit einher gingen auch die künstlerischen Differenzen zwischen Sänger Swanö und Axtmann Andreas, so dass die Band in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auseinanderfiel. Doch machen wir uns nichts vor: Auch wenn Songs wie „Dead But Dreaming“, „After Afterlife“ oder das knackige „Incipience to the Butchery“ damals gern gehörte Todesblei-Songs waren, die sich perfekt auf ein Mix-Tape mit DISMEMBER, UNLEASHED & Co. packen ließen. Das unzweifelhafte und bis heute unerreichte Meisterstück des Albums ist und bleibt natürlich „ENIGMA“, bei dem Swanö erstmals klaren Gesang einsetzt, um die Geschichte des inhaltlich in drei Teile unterteilten Songs auch musikalisch angemessen umsetzen zu können. Für mich ist „Enigma“ nicht nur der Song, der alle anderen Songs des Albums (und der weiteren Bandgeschichte) in den Schatten stellt, sondern auch einer der besten Death Metal Songs die jemals geschrieben wurden. Die stimmigen Arrangements, die grandiosen Melodien und die fesselnde Dramaturgie des Songs sind einfach zeitlos und so war der Track immer Dauergast in meinem Player: vom Walkman über den Discman und den MP3-Player bis hin zum iPod. Wer heute zu der CD-Version greift, der bekommt ein fettes Doppel-CD-Paket mit zwei unterschiedlichen Versionen des Albums. Auf der ersten CD finden sich die 14 Tracks des Albums plus der Japan-Bonus-Track „Human Aberration“ in remasterter Fassung. Die zweite CD enthält zwar nur zwölf Songs, diese aber dafür in remixter Version. Und auch wenn die Nuancen solcher Neubearbeitungen in mp3 und über PC-Boxen oder entsprechende Kopfhörer nicht immer besonders gut hörbar sind, so lässt sich in diesem Fall doch konstatieren, dass der Remix eine Ecke kantiger ausgefallen ist als die remasterten Versionen. Während heutzutage jeder Re-Release auf das Format einer Doppel-LP aufgeblasen wird, hat man gerade in diesem Fall darauf verzichtet, so dass Vinyl-Fans lediglich zwölf remasterte Songs erhalten: „Beyond the Unknown“ und „The Day Of Majurity“ fehlen. Man müsste sich die entsprechenden Tracks bzw. Versionen dann als digitale Versionen dazukaufen. Vielleicht wäre in diesem Fall doch tatsächlich mal ein Doppelalbum sinnvoll gewesen, um auch den Vinyl-Jüngern das volle Paket zu bieten. Wenn ich jemals einen Soundtrack meines Lebens zusammenstellen dürfte, dann wäre „Enigma“ mit Sicherheit enthalten. Aber auch jenseits dieses Death Metal Hits gehört „Unorthodox“ zu den Meilensteinen im Schaffen von EDGE OF SANITY, auch wenn die beiden Nachfolger in ihrer Gesamtheit musikalisch noch stimmiger und aufregender ausgefallen sind. „Unorthodox“ gehört definitiv zu den Top 3 Alben in der Band-Diskographie. Und wer es bislang noch nicht im Schrank hat, der sollte die Gelegenheit nun endlich nutzen.
EDGE OF SANITY – “Unorthodox (Re-issue)” - Ltd. Deluxe 2CD Jewelcase in O-Card (Incl. the full session of 15 tracks on 1st disc and a brand-new remix of 12 tracks on 2nd disc) - Transparent magenta coloured LP (180g, 12 tracks) - Digital Album (Remaster, 15 tracks) - Digital Album (Remix, 12 tracks)
Tracklist / Songs: 01. The Vastness Of Time 02. Death Mask 03. Phantasmagoria 04. In Disgust We Trust 05. Never Ending Night Of Terror 06. Give Me Life 07. The Harvester 08. The Shape Of Light Bleeds Black 09. To The Very Last 10. Witchkrieg (Goblin Tribute)
Willkommen in einer Welt des Schreckens. HEADS FOR THE DEAD bleiben ihrem inhaltlichen Motto auch auf Album Nummer Vier treu und vertonen ihre liebsten Horror-Streifen.
Gegründet 2017 wurden HEADS FOR THE DEAD zwischenzeitlich sogar mehr oder weniger zur Hauptband von REVEL IN FLESH-Frontmann Ralf Hauber, da dessen Band geschlossen von Bord gegangen war. Mittlerweile sind die Baden-Württemberger zwar wieder aktiv und haben gerade 11 neue Songs aufgenommen, doch der Zusammenarbeit mit WOMBBATH-Gitarrist Jonny Pettersson hat das keinen Abbruch getan, so dass nun seit einigen Wochen „Never Ending Night Of Terror“ in den Läden steht. Es ist das wohl ausgereifteste Werk des Quartetts – sowohl in Sachen Songwriting als auch hinsichtlich des Sounds. Dieser strahlt zwar, vor allem dank der Untermalung mit dem Keyboard, nach wie vor eine ziemliche Boshaftigkeit aus, ist aber insgesamt kompakter, druckvoller und schwedischer geworden als beispielsweise auf der „Slash ‘n‘ Roll“-EP oder auf dem Debüt. Trotzdem biedert sich das Album nicht an und der Hörer muss sich durchaus etwas Zeit nehmen, um die Songs für sich zu entdecken. Zumindest ging es mir so. Doch mit jedem Hördurchgang wissen die Kompositionen mehr zu gefallen, während „Never Ending Night Of Terror“ für mich auch vor allem als Gesamtwerk punkten kann, welches man in Gänze hören sollte. Exemplarisch für die stilistischen Variationen stehen die Songs „Phantasmagoria“ und „In Disgust We Trust“, die durchaus unterschiedliche Vorlieben durchblicken lassen und auch beim Hörer bedienen. Und so gefallen mir neben dem gelungenen „Phantasmagoria“ vor allem Songs wie das titelgebende „Never Ending Night Of Terror“ mit seinen wohldosierten Schauerpassagen oder „The Harvester“ mit seiner wohlklingenden Gitarrenarbeit. Am Ende des Albums zollen HEADS FOR THE DEAD noch den italienischen Prog Metallern GOBLIN Tribut. Letztlich feiert die Band mit ihrem vierten Album aber vor allem sich selbst und ihre hörenswerte Mischung aus schwedischem Death Metal und Horror-Elementen, die HEADS FOR THE DEAD von zahlreichen Genre-Kollegen abheben. „The Never Ending Night Of Horror“ hält jedenfalls das, was der Titel verspricht, auch wenn das musikalische Inferno „nur“ knappe 42 Minuten und nicht „für immer“ anhält. Ganz nebenbei hat die Truppe ihr Album mit dem bislang besten Artwork veredelt! Erhältlich ist "Never Ending Night Of Terror" neben der obligatorischen digitalen Variante natürlich auch auf Vinyl, CD und sogar als Tape. Schnell zugreifen.
01. What You Need 02. Diamond In The Rough 03. Everyday Is Saturday Night 04. I Love It Louder 05. I'm Going Blind 06. Hot Fox 07. It's A Celebration 08. Pretty Stuff 09. Gotta Let It Go 10. I Can't Stop 11. Too Slick For Love
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Danko Jones - Gesang, Gitarre John Calabrese - Bass Rich Knox - Schlagzeug
01. War In (The Beginning of the Fall) 02. 1914 (The Siege of Przemyśl) 03. 1915 (Easter Battle for the Zwinin Ridge) 04. 1916 (The Südtirol Offensive) 05. 1917 (The Isonzo Front) 06. 1918 Pt 1: WIA (Wounded in Action) 07. 1918 Pt 2: POW (Prisoner of War) (feat. Christopher Scott of Precious Death) 08. 1918 Pt 3: ADE (A duty to escape) (feat. Aaron Stainthorpe of My Dying Bride) 09. 1919 (The Home Where I Died) (feat. Jerome Reuter of Rome) 10. War Out (The End?)
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt:
9.Division, Grenadier-Regiment Nr.7, Unteroffiziere - Armin fon Heinessen - Bass
Austria war schon immer ein außergewöhnliches wie kreatives Pflaster für kultig-undergrundige Extrem-Metal-Kapellen. In dieser Tradition von illustren Bands wie Disharmonic Orchestra, Disastrous Murmur und nicht zuletzt auch Pungent Stench stehen Fessus, die mit dem Drei-Track-Demo “Pilgrims Of Morbidity” 2023 erstmals aufhorchen ließen… So sehr, dass Darkness Shall Rise dieses Stück roher Todesmetall-Kunst nicht nur in allerlei Formaten wieder veröffentlichten, sondern Nägel mit Köpfen machten, und die drei Kerle plus Basserin Jana darüber hinaus ans Label gebunden haben. Vielleicht wurde die Band aber auch kurzerhand im Keller angekettet und eingesperrt, damit sichergestellt ist, dass auf ewig alle paar Monde ein Todesstahl-Song gemolken werden kann.
Und “Darkness Shall Rise”, das ist freilich schon seit dem Demo von Fessus Programm. Denn “Subcutaneous Tomb” strotzt gleichermaßen von einer abrundtief bösen und bedrohlichen Dunkelheit. So ursprünglich roh, so rotzig und ranzig. Fessus sind nichts für Schön- und Feingeister, auf dem Debut regiert quasi “Arbeiterklassen – Death Metal”. Die gute halbe Stunde enthält sechs schräge Oden an Tod und Verdammnis, oft langsam, getragen oder groovend wie schleppend, kriechend und schleifend… Wenn die Angst überhand nimmt, man im Rücken ahnt, wie sich das rostige Blatt aus der Kreissäge löst, wird´s nicht nur blutig, sondern dann wird das Tempo in der Hoffnung auf ein Entkommen auch mal angezogen. Glimpflich geht es allerdings in der Regel nicht aus, so ein Stück Metall dieser Machart eitert schwer nur wieder aus dem geschundenen Körper. Und es fängt auf Dauer zunehmend an, modrig und faulig zu riechen, im von außen verriegelten Kirchberger Hobbykeller, sechs Füße unter der Bodenplatte.
Um sich nach außen noch halbwegs bemerkbar zu machen, bedarf es da schon der schrillen, oft disharmonischen Leads und Soli, auch wenn das Blut dabei beginnt, aus den Ohren zu fließen. Letztes Fünkchen Hoffnung an die Welt da draußen: Die markerschütternden “Morbid-Screams” von Brenton, die kehlig aber dennoch ganz tief aus der Magengegend kommen und beim Hörer direkt bis ins Rückenmark vordringen.
Mit “Subcutaneous Tomb” untermauern Fessus den Status als Underground-Tipp, den man sich mit “Pilgrims Of Morbdity” erschreddert hat. Ehrlicher Death Metal für Fans von Autopsy, Bastard Grave bis hin zu Deathrite.
Es ist nun sieben Jahre her, dass Spock's Beard ihr letztes Album "Noise Floor" veröffentlichten. Mittlerweile rechnete ich fast gar nicht mehr mit einem neuen Longplayer der Wohlfühl Progger, zumal mehrere Mitglieder in anderen Bands wie Pattern Seeking Animals oder Soloprojekten gut beschäftigt waren. Doch nun stehen die Amis mit einem neuen Schlagzeuger und einem ihrer besten Alben vor der Tür, das auch auf einem neuen Label erscheint.
1. Ramming Speed 2. Cutting the Stars 3. Electric Walls 4. Silent Tears 5. Blood upon the Stage 6. Beyond the Thunderdome 7. Prisoned by the Dark 8. One with the Wind
Mit zwei Alben und einer EP in sechs Jahren empfehlen sich die Leipziger von SINTAGE fast als waschechte „Helden der Arbeit“. Zumal die zum Fünfer angewachsene Truppe auch auf ihrem neuesten Werk wieder lupenreinen Stahl mit Kanten und Melodien geschmiedet hat.
Mit Julez und Chili befinden sich erstmals zwei Gitarristen in der Band, was sich durchaus auszahlt, denn auf „Unbound Triumph“ wurden die Gitarrenmelodien und das Riffing nochmals weiter ausgearbeitet und verfeinert. Das Resultat ist eine brachiale und doch eingängige Mischung aus der NWoBHM, US- und Teutonen Metal. Während Frontmann Randy zu jeder Sekunde hundertprozentig authentisch nach Heavy Metal klingt, wird der Hörer von prägnanten Riffs wie in „Electric Walls“ schlicht niedergewalzt. Hier treffen sich frühe W.A.S.P. mit VIRGIN STEEL und Untergrund-Helden wie RAZOR FIST und so reihen sich SINTAGE nahtlos ein mit jungen Wilden wie STALLION, AIR RAID, RIOT CITY oder SKULL FIST. Dabei gibt es mit „Silent Tears“ auch ruhige Töne in Form einer tollen Power Metal Ballade. Ein Höhepunkt des Albums ist sicherlich das treibende „Beyond the Thunderdome“, welches in jeglicher Hinsicht überzeugt und selbst auf Platte den Schweiß der Live-Show von der Decke tropfen lässt. Hier atmet die Band puren Heavy Metal. Schön, dass Steffen Böhm von High Roller Records nicht nur einen klasse Online-Shop betreibt, sondern auch ein absolut sicheres Händchen für talentierte Bands hat. Natürlich hat der gute Mann „Unbound Triumph“ nicht nur als CD, sondern auch in verschiedenen Vinyl Versionen auf den Markt gebracht. Wer da nicht zuschlägt, wird bei nächster Gelegenheit von der unbändigen Power von „Unbound Triumph“ ungespitzt in den Boden gerammt. SINTAGE – Heavy Metal - Made in Sachsen!
Die Metalcore-Veteranen von OF MICE & MEN präsentieren uns mit „Another Miracle“ ihr neustes Werk. Dabei schaffen die Kalifornier es, weiter ihren klassischen Sound abzuliefern, aber auch vielseitige neue Einflüsse mit einzubeziehen. Es als ein weiteres Wunder(werk) zu bezeichnen, würde dann aber doch ein wenig zu weit führen.
Der Auftakt klingt weniger klassisch, als es „A Waltz“ titeltechnisch vermuten lässt, denn der elektronisch-epische Opener präsentiert sich voll, druckvoll und behält dabei sogar das rhythmisch-geflüsterte Walzerthema bei. Im deutlichen Kontrast dazu folgt „Troubled Water“, das durch den düsteren Industrial-Beat und den überwiegenden Cleangesang gekonnt Unbehagen und Beklommenheit evoziert. Von der Beklommenheit in die Sicherheit flüchten wir uns danach bei „Safe and Sound“. Der Song kommt geradezu intim-melancholisch daher, wie ein Loslassen am emotionalen Ruhepunkt. Um keine Eintönigkeit aufkommen zu lassen, konfrontieren OF MICE & MEN uns nun mit brachialer, geradezu kathartischer Wut. „Hourglass“ ist wohl der kompromissloseste Song des Albums und überzeugt passend mit einem massiven Breakdown. Spätestens hier zeigt sich, wie vielseitig die Stimme von Frontsänger Aaron Pauley wirklich ist.
Auch wenn bis hierhin niemand eingeschlafen sein dürfte, geht es beim fünften Song „Wake Up“ überraschend weiter. Wir werden mit verletzlich-melodischen Post-Hardcore- und Pop-Punk-Vibes konfrontiert, was klanglich auf jeden Fall „Punk Goes Pop“-Nostalgie aufkeimen lässt. Mit „Flowers“ folgt die neuste Singleauskopplung. nostalgische Elektronik trifft auf schwere Gitarren und schafft so eine kontrastreiche, manchmal fast balladisch anmutende Emotionalität.
„Another Miracle“ als Titeltrack des Albums kommt im Vergleich sehr klassisch daher: eingängig, hoher Mitsingfaktor beim Refrain, keine Überraschungen, aber ein solides Stück – wenngleich kein Wunderwerk. Ob „Contact“ wirklich so spacig im Intro wirkt oder ich durch das vor meinem inneren Auge erscheinende Cover des gleichnamigen Films voreingenommen bin, tut erst mal nichts zur Sache. Spannender ist, dass der Songaufbau etwas unkonventioneller gestaltet ist und bewusst mit Erwartungen spielt.
„Parable“ zeigt sich düster und elektronisch, erzeugt eine gewisse emotionale Schwere und endet mit einem sehr heftigen Breakdown. Einen anderen Weg schlägt „Somewhere in Between“ ein. Hier geht es fast Drum’n’Bass-artig los, der Rhythmus ist komplexer und dennoch wirkt der ganze Song äußerst dynamisch und treibend – trotz eines Half-Time-Moments zu einem recht frühen Zeitpunkt. „Swallow“ ist hingegen deutlich basslastiger und erinnert in seinen elektronischen Elementen ein wenig an Celldweller. Der Chorus fällt vergleichsweise lang aus, und auch hier punkten OF MICE & MEN wieder mit einem intensiven, brutalen Abschluss.
„Infinite“ ist der Albumcloser und macht noch einmal einiges anders. Die Synths zu Beginn sorgen durch den massiven Hall für ein Gefühl von (unendlich) leerem Raum, der sich langsam füllt. Viel Gefühl und Wehmut schwingt hier mit, und die Shouting- und Cleananteile halten sich die Waage. Zudem gibt es in diesem Song keinen klassischen Breakdown – stattdessen faden Song und Album aus und geben so auch dem Hörer die Möglichkeit, sich nicht zu schnell losreißen zu müssen.
Mit „Another Miracle“ liefern OF MICE & MEN ein Album ab, das eindrucksvoll zeigt, wie sicher sich die Band in ihrem eigenen Sound bewegt und wie clever sie diesen weiterentwickelt. Die Kalifornier verweben Härte, Elektronik, Melodie und Emotion so selbstverständlich miteinander, dass kaum ein Moment belanglos wirkt. Jeder Track bringt eine eigene Farbe mit, überrascht mal rhythmisch, mal atmosphärisch, mal durch den vielseitigen Gesang von Aaron Pauley – und genau daraus entsteht die große Stärke dieses Albums: Kontraste, die sich zu einem runden Ganzen fügen.
Trotzdem: So stark, vielseitig und durchdacht „Another Miracle“ ist, das titelgebende Wunder bleibt am Ende aus. Die Band spielt ihre Stärken souverän aus, wagt punktuell Neues und liefert definitiv eines ihrer interessantesten und facettenreicheren Werke der jüngeren Vergangenheit – aber das bahnbrechende, revolutionierende Moment bleibt aus. Das ist am Ende aber eher eine Randnotiz, denn das Album überzeugt durch seine Energie, sein Gefühl für Spannung und seine dichte, kraftvolle Produktion.
Tracklist / Songs: 1. Intro - Inevitable Entropy 2. Veracious Duality 3. Seventh Ephemeral Aura 4. Dissolution 5. Despair of Temporal Existence 6. Failure of Ancient Wisdoms 7. Silence Which Ceases All Minds 8. Gnosis of Ambivalence 9. Outro - Elegy of Finality
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Wandering Mind - Guitars, Vocals The Great Righteous Destroyer - Bass Dylan Marks - Drums Jayson McGehee - Guitars, Bild:
VOIDCEREMONY waren schon immer sehr technisch unterwegs. In die letzten Alben konnte ich mich zum Teil reinhören, auf dem dritten Langeisen geht mir die sogenannte Progressivität zu weit. Auch nach dem achten Durchlauf zündet die Scheibe bei mir nicht ansatzweise. Ich habe das Gefühl, dass die Amis jede Menge Parts, aber keine schlüssigen Songs geschrieben haben. Warum viele Breaks in dem Song und nicht an irgendeiner anderen Stelle gelandet sind, erschließt sich mir nicht. So schafft es das Album nicht, eine Atmosphäre aufzubauen, das ist bei einer Death Metal Scheibe für mich unerlässlich. Nun bin ich ja eh nicht der Progger, aber Bands wie DEATH, VOIVOD oder jüngst CORONER laufen bei mir regelmäßig und haben bewiesen, dass sich technische Finessen und ein roter Faden in den Songs nicht ausschließen. Die Verbindung ist die große Kunst.
Hier habe ich eher den Eindruck, dass die Jungs einfach möglichst viel zeigen und technische Limits ausreizen wollten. Das mag ihnen Spaß machen, mir gibt es wenig. Alle, die ein Instrument spielen und Musik gerne mit offenem Mund konsumieren, bekommen mit ´Abditum‘ das perfekte Futter.
Klar bin ich von ´Abditum´ aufgrund der musikalischen Fähigkeiten beeindruckt. Begeistert bin ich von dem Album aber nicht. Und das wäre mir wesentlich wichtiger.
Tracklist / Songs: 1. Metropolis Pt. 1 2. Overture 1928 3. Strange Déjà Vu 4. The Mirror 5. Panic Attack 6. Barstool Warrior 7. Hollow Years 8. Constant Motion 9. As I Am 10. Orchestral Overture 11. Night Terror 12. Under a Glass Moon 13. This Is the Life 14. Vacant 15. Stream of Consciousness 16. Octavarium 17. Home 18. The Spirit Carries On 19. Pull Me Under
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: James LaBrie - Gesang John Petrucci - Gitarre John Myung - Bass Jordan Rudess - Keyboard Mike Portnoy - Schlagzeug, Bild:
Video URL: https://youtu.be/f4En-2FfOgA?si=Is6GRrDa1kbuCyc1, Video - Titel: Dream Theater - Overture 1928 / Strange Déjà Vu (Quarantième Live à Paris), Objekt - Position: Links, Fallback Thumb:
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2010 sahen viele Fans das Ende von DREAM THEATER gekommen, als Gründungsmitglied Mike Portnoy seinen Ausstieg bekannt gab. Über zwölf Jahre und fünf Alben sollte es dauern, bis der Drummer seinen „Fehler“ erkannte und zu den Prog-Metal-Giganten zurückkehrte. Mittlerweile machte sein Ersatz Mike Mangini seine Sache hinter der Schießbude mehr als gut, doch war der Hypetrain nicht mehr zu stoppen als die ersten Gerüchte zu Portnoys Rückkehr sich verdichteten.
Schnell wurde dann mit „Parasomnia“ ein neues Album eingespielt, doch zeigt sich das wahre Talent der fünf Ausnahmemusiker vor allem live. Also liegt es mehr als nahe, die Reunion (und das vierzigjährige Bandjubiläum) mit einem Livealbum zu zelebrieren. Als Aufnahmeort entschied man sich hier für die Accor Arena in Paris, die 20.000 Plätze fasst. Wer Dream Theater schon einmal live gesehen hat, der weiß, dass dabei nicht eine knappe Stunde lang die neuesten Songs abgespult werden, sondern dass die Auftritte oft über drei Stunden dauern, Songs immer wieder abgeändert, neu interpretiert und von diversen Soli unterbrochen werden, um nach vielen Schleifen dann doch wieder zum Ausgang zurückzukehren. Das macht jeden Dream Theater-Auftritt zu etwas Besonderem und Einzigartigem. So ist es auch bei „Quarantième: Live à Paris“, das Ende November 2024 aufgenommen wurde und sowohl als CD als auch audio-visuell einen Parforce-Ritt durch die Bandgeschichte bietet.
Als der Vorhang fällt und die ersten Töne von „Metropolis Pt. 1“ ertönen, hält es niemanden mehr auf den Sitzen. Passend fortgesetzt wird die Setlist mit den ersten beiden Songs vom Konzeptalbum „Metropolis Pt 2: Scenes from a Memory“, das von vielen Fans als das Highlight der Band-Karriere gesehen wird. Mit „The Mirror“ folgt gleich ein weiterer Klassiker aus den Neunzigern und an das noch eine kleine „Lie“-Hommage angehängt wird! Nach einigen neueren Songs wie „Barstool Warrior“ und „Hollow Years“ ist nach „As I Am“ nach75 Minuten eine Pause angesagt (bei der die Blu-Ray-Besitzer die Scheibe wechseln müssen), bevor 100 weitere Minuten an voller Action folgen.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem orchestralen Instrumental-Medley zahlreicher Albentitel und auch im weiteren Verlauf dürfen sich dann auch die Solo-Künstler sverausgaben: Jordan Rudess zeigt, was man alles aus dem Keyboard (oder zwei oder drei, und einem Ipad) rausholen kann, Mike Portnoy bedient seine drei (!) Bassdrums und die ganze Batterie an Toms und High-Hats, dass einem schwindelig wird, und John Petrucci an der Gitarre kostet jedes Solo aus, dass jedem anderen die Finger bluten würden.
Mit dem fantastischen „Octavarium“ wird das reguläre Set beendet, aber jeder Anwesende weiß, dass da noch ein paar Songs fehlen. Für die Zugabe wird mit zwei weiteren Metropolis-Liedern der Kreis zum Anfang geschlossen, „The Sprit Carries On“ bringt die gesamte Halle zum Mitsingen und der frenetisch gefeierte einzige kommerzielle Hit der Band „Pull Me Under“ bildet wie immer den krönenden Abschluss.
Mit diesem Live-Meisterwerk haben die US-Amerikaner dem Prog-Metal ein weiteres Denkmal gesetzt und untermauern eindrucksvoll ihre Ausnahmestellung!
Zwei Jahre nach ´Der Ertraeger und das Fleisch´ melden sich die Death Grinder mit ´Agoniepositur´ zurück und musizieren weiterhin auf der linken Spur. Gut so.
Mit dem Gros der Brutal Death Metal Veröffentlichungen kann ich wenig anfangen, die sind mir oft zu eindimensional. Bei Bands wie DISTASTE ist das anders. Auch die zocken eine Mischung aus Death Metal und Grindcore, klingen für mich dabei aber wesentlich galliger und damit aggressiver. Die Voclas werden weniger gegrowlt und mehr geschrien, ohne dabei Emocore-nervig zu klingen. Songs wie ´Last´ verfügen dazu über jede Menge Groove und ein gewisses Crust-Feeling. Beim teils sperrigen Rausschmeißer bin ich sogar an die von mir schwer vermissten TOTENMOND erinnert, das ist böser als 90 % aller Black Metal Alben.
Soundtechnisch klingt ´Agoniepositur´ einen Tick differenzierter als sein Vorgänger. Im Gegensatz zum Info denke ich, dass der Härtegrad im Vergleich zu ´Der Ertraeger und das Fleisch´ gehalten wurde, der war ja da bereits sehr hoch. Wem der Vorgänger gefallen hat und wer auf Bands wie NECROMORPH steht, wird hier fündig. So klaue ich beim Fazit meines Reviews zum Vorgänger, das weiterhin Bestand hat:
„DISTASTE erreichen nicht die Intensität von NASUM oder ROTTEN SOUND, das ist ja auch fast ein Ding der Unmöglichkeit. Fans des angecrusteten Death-Grind sollten auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren.“
Tracklist / Songs: 01 - Crown Of Thorns 02 - Out Of The Blue 03 - Night After Night 04 - Sunshine 05 - Empty Days Of Wonder 06 - World's On Fire 07 - Down In A Hole 08 - Hide In The Dark 09 - Sweet Sweet Addiction 10 - Lost In A Storm 11 - Who Are You
Mit High On Fire legen Sainted Sinners ihr fünftes Studioalbum vor. DIe Band selbst sagt zu den drei Jahren Genese sinngemäß "Gut Ding will Weile haben!". Erfüllen soll es den eigenen Anspruch, „The Essence of Rock’n’Roll“ zu sein. Also schaun mer mal, wie sich nach den gut 47 min Spielzeit meine Auffassung dazu zeigen wird.
01. Sincerely 02. I Want You (Fever) 03. Rodeo 04. Stay All Summer 05. New Friend 06. How to Breathe 07. Last Kiss 08. Bottle Blonde 09. Ohio All The Time 10. Welcome to My Blue Sky 11. Take Me With You 12. My Old Street 13. Cross Your Heart 14. Not Sacred 15. Sunrise 16. Seattle 17. Christian Brothers Life of Mine (feat. Day Wave)
Dass Alternative Rock heute nicht mehr ein Teil irgendeiner Jugendbewegung ist, ist leider nicht wegzudiskutieren. Aber nichtsdestotrotz hat das Genre nichts von seiner Faszination eingebüßt, vor allem, wenn man sich an dessen Glanzzeiten orientiert. Diesem Unterfangen scheinen sich auch Momma verschrieben zu haben, sind die Anspielungen auf Bands wie Veruca Salt, Yo La Tengo oder Sonic Youth doch unüberhörbar.
Die absolut famose Metal-Hardcore-Rap-Manga-Formation RISE OF THE NORTHSTAR entführt uns dieses Mal mit „CHAPTER 4: RED FALCON SUPER BATTLE! NEO PARIS WAR!!“ (Ja, zwei Ausrufezeichen! (!)) in die Welt der Mechs. Doch wo zwischen „Neon Genesis Evangelion“ und „drittklassigem Mecha-Wannabe-US-Abklatsch“ ordnet sich das Album ein? Die ersten Singles sowie die Zusammenarbeit mit Florent Salfati von den unaufhaltsam aufstrebenden LANDMVRKS sind auf jeden Fall mehr als vielversprechend.
Wenn man sich nun das erste Mal die Tracklist anschaut und an Nummer 1 „Turbo-Intro“ findet, kann eigentlich auch nichts mehr schiefgehen. Hier wird der Red Falcon Super Mech direkt mal auf die Startrampe verfrachtet und zu „Payback“ anschließend in unseren Gehörgang gefeuert. Dort richtet er sich dann zu seiner ganzen Größe auf und man kann sich nichts Besseres vorstellen, als wie er sich mit den ersten gegnerischen Mechs anlegt. Das Ganze zum gewohnt rohen, brutal anmutenden RISE OF THE NORTHSTAR-Sound, der hier und da sogar noch mal einen Zahn zulegt. Der Refrain bleibt dabei aber klassisch im Hardcore-Rap-Stil der Band. Weiter geht’s mit „Neo-Paris“, was in mir direkt mal einen cyberpunkigen Eiffelturm in der Vorstellung entstehen ließ. Hier ist es beeindruckend zu sehen, wie die Band in der Lage ist, ihren eigenen Sound zu variieren, zu verändern – und das, ohne sich selbst untreu zu werden. Falcon präsentiert uns nun endlich unseren metallenen Helden in all seiner bewaffneten Macht. Der cleane Refrain passt dabei wirklich gut, der Breakdown ist so hart und mächtig wie die Explosion durch die Laserkanone (an dieser Stelle sei jedem das Video ans Herz gelegt). Bei „Back to Basics“ haben sich RISE OF THE NORTHSTAR mit LANDMVRKS zusammengetan – und das merkt man: Florent und Vitia ergänzen sich hervorragend und schaffen einen Song, der tatsächlich eine starke Mischung aus dem Sound beider Bands ist. „Under“ ist ein kleines Rap-Zwischenspiel und führt selbstverständlich zu „Pressure“ hin (na, wer hat jetzt den falschen Song im Ohr?). Hier habe ich das erste Mal das Gefühl, dass es doch etwas repetitiv wird, wenngleich durch die Half-Time zum Ende hin nicht ganz so auffällig. Es folgt mit „Nemesis“ mit Aaron Matts von ten56. das nächste Feature, das auch gleich wieder viel frischer daherkommt – was natürlich auch auf das ultratiefe Gegrowle von Aaron zurückzuführen ist. „A.I.R Max“ so ins Gesicht geschrien zu bekommen, stand auf jeden Fall auch nicht auf meiner Liste für dieses Jahr, doch auch hier bekommt man das Gefühl, dass man hinten raus doch eher einfach wieder auf Altes zurückfällt. „Solitary Homeboy“, von Vitia in den Wind gebrüllt, sticht dabei wieder etwas heraus und mit „No Turning Back“ geht es endlich wieder richtig zur Sache. Alles ist ein bisschen schneller, vielseitiger, weniger klassischer Hardcore. „Desolation Hawk“ geht wieder mehr in die Rap-Crossover-Richtung mit harten Teilen dazwischen, deutet aber auch schon auf das anschließende Outro hin, welches mit leichten Lo-Fi-Beats und gutem französischsprachigem Rap daherkommt.
Doch wo befinden wir uns jetzt? Es ist mehr als ein Isekai-Mecha-Ausflug, viel mehr. Aber die volle Epik eines Neon Genesis Evangelion ist es auch nicht. Ist auch egal – es ist ein sehr gelungenes Album. Es sind RISE OF THE NORTHSTAR, die sich noch ein Stück weiterentwickelt haben, aber dennoch genauso zum Mitwippen, -Grölen und Springen einladen. Ist es immer innovativ? Nein. Das muss es aber auch nicht sein, um zu gefallen und trotzdem ganz, ganz viel Spaß zu machen.
Gastmusiker: Christoph Knoll – Guitar Michael J.J. Kogler (Harakiri for the Sky / Karg) – Vocals „The Veil of Your Death David „Eklatanz“ Conrad – Vocals „Unravel“
Ellereve – Umbra: Ein Herbst aus Schmerz, Schönheit und Schatten
Der Sommer ist vorbei, der Herbst ist da, pünktlich, schwer, neblig. Die Tage werden gedämpfter, das Licht milder, und dieses Gefühl von Vergänglichkeit legt sich auf die Haut. Und genau in diese Jahresphase fällt das Erscheinen von Umbra, dem dritten Album von ELLEREVE. Perfektes Timing, denn Elisa Giulia Teschner versteht es wie kaum eine andere, Musik zu erschaffen, die nicht nur gehört, sondern bewohnt wird.
Schon der Opener „An Avalanche of Shudders“ wirkt wie das Öffnen einer Tür zu einer anderen Welt. Zarte, weltmusikalische und fast sakrale Atmosphären erinnern an Dead Can Dance – bis ein tonnenschweres Doom-Riff einsetzt, das nicht nur trifft, sondern wirkt, als würde es langsam in die Brust sinken. Darüber schwebt Teschner mit einer Stimme, die gleichzeitig verletzlich und unerschütterlich ist.
„Like a Moth to a Flame“ rückt dann näher an Chelsea Wolfe und Myrkur heran: Post-Rock-Dringlichkeit, kein Blick zurück, nur Vorwärtsbewegung. „Crawl“ ist kalt, schwer, düster, ein Song wie ein Sturz in eine Mine, der sich zu einem monumentalen Doomgaze-Stück auftürmt.
In der Mitte des Albums finden sich die emotionalen Gipfel: „Shores of Solitude“, „The Funeral“ und „Irreversible“ sind jene Momente, in denen Umbra nicht laut sein muss, um zu zerreißen. Hier wird nicht geklagt, sondern verstanden. Jede Linie, jede Note wirkt gezielt, durchdacht und dennoch organisch. „Irreversible“ ist einer der Songs, die man nicht nur hört – sondern erträgt. Und liebt.
Dann aber schlägt Umbra zu: „The Veil of Your Death“ mit Michael J.J. Kogler (Harakiri for the Sky / Karg) entfesselt Post-Black-Metal-Wucht mit rasenden Spitzen, ohne den Kern der Musik zu überdecken. Ein Sturm, der sich verdient anfühlt.
„Swallowed & Disguised“ zieht die Schneedecke wieder zu – neblig, warm, schattenhaft. „Lost in Longings“ beginnt ruhig – und explodiert dann in einer Schönheit, die fast weh tut. „Unravel“, mit David „Eklatanz“ Conrad (Heretoir), ist der emotionale Höhepunkt der Aggression – ein Ausbruch, ein Brennen.
Der Abschluss „Trauma“ ist ein Nachglühen. Eine Erinnerung. Ein verklingender letzter Atem.
Umbra ist kein Album, das man „mal eben“ hört. Es ist ein Raum, eine Jahreszeit, ein Zustand. Es ist Herbst. Innen wie außen.
Fazit
Umbra ist kein Schritt, sondern ein Sprung. Dorthin, wo Post-Black, Doom, Darkgaze und Pop-Sensibilität keine Gegensätze mehr sind. Es ist ein Album voller Wucht, voller Stille, voller atmender Schatten.
Für den Herbst. Für lange Wege. Für geschlossene Augen.
Tracklist / Songs: 01. Intro 02. Rain Of Champagne 03. Gimme That Bone 04. Leave It 05. I'm A Loser 06. Soul Survivor 07. Little Miss Mystery 08. Frontpage Lover 09. A Girl Like A Trigger 10. Tokyo 11. Don't Talk 12. The Tide Is Turning 13 Little Smile 14. Hard Attack 15. Arrows In The Wind
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt: Peter Knorn (Founder of Fargo, Ex-Victory) Peter Ladwig (Founding member of Fargo) Henny Wolter (Ex-Primal Fear, Thunderhead, Nitrogods) Nikolas Fritz (Ex-Mob Rules), Bild:
„Kraftvoll. Echt. Club-Atmosphäre. Rock.“ – So fasst die KI das „Live in 25“-Album der hannoverschen Rocklegende FARGO in fünf Worten zusammen. Und anders als die KI kann der Rock-Fan aus Fleisch und Blut diese Aspekte des Albums auch wahrhaftig erleben.
Im Gegensatz zu vielen anderen Rockgrößen spielen FARGO keinen Rockklassiker vom Band ab, um ihre Show einzuleiten, sondern grooven sich mit einem gediegenen Instrumental in die Show. Was auf „Live in 25“ zu hörne ist, ist ein Zusammenschnitt der Tour aus dem Jahr 2024. Dass hier keine komplette Show veröffentlicht wurde, tut der Atmosphäre des Albums keinen Abbruch und ist ja auch seit jeher Sitte. Mit „Rain of Champagne“ und „Gimme That Bone“ vom 2021er Album „Strangers D'Amour“ haut das Quartett aus der niedersächsischen Landeshauptstadt gleich zu Beginn zwei bärenstarke Song raus. Nur um sich anschließend über „Leave it“ zum groovigen „I’m a Loser“ aus dem Jahr 1980 vorzuarbeiten. Die Truppe, in deren Reihen sich nicht nur SCORPIONS-Gitarrist Matthias Jabs seine Sporen verdiente, sondern aus der in den 80ern auch die Band VICTORY hervorging, spielt sich durch ein starkes Set voller rockiger Emotionen, die Freunde von TOM PETTY ebenso begeistern dürften wie die Anhänger von ZZ TOP und bluesigen Southern Rock Bands. Aber natürlich haben sich FARGO über die Jahre auch ihren eigenen norddeutschen Charme erhalten, so dass man auch Parallelen zu frühen SCORPIONS finden kann. Die Setlist umfasst die sechs Studioalben der Rocker und reicht somit bis ins Jahr 1979 zurück – das Jahr, in dem THUNDERHEAD/NITROGODS-Gitarrist Henny Wolter 13 Jahre alt war. Heute steht der gebürtige Hannoveraner an der Seite von den FARGO-Gründungsmitgliedern Peter Korn und Peter Ladwig, wobei letzterer früher auch bereits für THUNDERHEAD tätig war. An den Kesseln sitzt nach wie vor ex-MOB RULES Drummer Nikolas Fritz, der auch schon für Hennys NITROGODS die Felle verdroschen hat. Doch bei FARGO geht alles gesitteter zu. Der Classic Rock des Quartetts ist nie aggressiv, sondern lädt ein zum Grooven und zum Chillen. „Kraftvoll“ und „echt“ sind dabei definitiv Kennzeichen des Albums. FARGO gehören zweifelsohne zum musikalischen Urkorn der hannoverschen und deutschen Rockszene und sie stehen exemplarisch für die Art des harten Rock, der in Hannover heimisch ist – was häufig übersehen wurde und wird. Das Schönste an Hannover mag nach wie vor der Zug nach Hamburg sein, doch der Rock ´N‘ Roll Train namens FARGO kann sich auch sehen – und vor allem hören – lassen.
Heavy Metal ist so lebendig wie seit den 80er Jahren nicht mehr und das beweisen auch die Osnabrücker TOMB OF GIANTS mit ihrem neuesten Lebenszeichen „Holding The Flame“.
Auf „Holding the Flame“ stellen die fünf Metalheads nicht nur vier neue Songs aus der Heavy Metal Gruft vor, sondern auch ihren neuen Frontmann Kai Nikolayczyk, der Sergio Cisternino abgelöst hat. Für meinen Geschmack hat die Truppe da einen guten Fang gemacht. Denn während die Songs nach wie vor das Prädikat „true“ tragen, ist die Stimme von Nikolayczyk doch etwas eingängiger und vollmundiger als die seines Vorgängers. So geraten Songs wie „Midnight Devil“ zu echten Heavy Metal Fistraisern mit Ohrwurmpotential. Und die Freunde des NWoBHM-Galopp-Riffs dürfen sich in „When Destiny Calls“ auch auf einen weiteren wilden Ritt freuen. Mit nur vier Songs kommt die Truppe immerhin auf 22 Minuten Spielzeit, was nur 10 Minuten weniger sind als auf dem Vorgänger „Legacy of the Sword“, welcher jedoch sieben Songs enthielt. Produziert hat die Band selbst – mit viel Liebe, wie man dem Bandinfo entnehmen darf. Und das hört man der Produktion auch an, denn die Songs landen genau auf dem schmalen Grad zwischen erdigem Oldschool-Sound und Ansprüchen des 21. Jahrhunderts. Für Mix und Mastering hat man die Aufnahmen dann schließlich noch in die Hände von Altmeister Classen gegeben. Abgerundet wird das positive Bild vom gelungenen Artwork, welches das des Vorgängers problemlos übertrifft. Niedersachsen kann mehr als nur manipulierte Diesel und unbeliebte E-Autos bauen: TOMB OF GIANTS liefern mit „Holding the Flame“ ein gelungenes Beispiel dafür ab, wie man Tradition auf ehrliche Weise in die Moderne retten kann.
Aus Gründen stehe ich Re-Releases, insbesondere aber bei Neueinspielungen aus dem Backkatalog oder Diskografie-Klassikern grundsätzlich mit einer großen Portion Skepsis gegenüber. Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht. Selbst wenn die Musik im Vergleich zur Urfassung in spielerischer oder rein handwerklicher Hinsicht sowie sound- und produktionstechnisch aus künstlerischer Sicht subjektiv und/oder rein objektiv unbestritten “aufgewertet” wurde oder wird: Letztendlich sind es oftmals eben jene Unvollkommenheiten und eben kleine oder aber auch größere Makel und Unzulänglichkeiten, die manche Veröffentlichungen rund oder gar perfekt gemacht haben und machen. Im Zweifel genügt schon ein Remaster, um die unnachahmliche Atmosphäre eines Albums zu zerstören.
Aus diesem Grund habe ich auch durchaus ein paar Momente mit mir gerungen, ob ich eine Neuaufnahme der 1995 als Eigenproduktion erschienenen “Sylphlike”-EP von Night In Gales wirklich brauche, geschweige denn hören möchte…
Die Band aus Voerde in NRW gehörte Mitte der Neunziger zur Speerspitze der deutschen Underground-Szene, die sich anschickte, der Republik zu zeigen, dass man auch in Deutschland in der Lage war, melodischen Death Metal der Marke At The Gates, Dark Tranquillity oder In Flames zu zelebrieren. Der Fünftracker sorgte aufgrund seiner musikalischen Qualität für ordentlich Wirbel in einer Zeit, in der die Eigenproduktion in Verbindung mit einem CD-Release noch alles andere als alltäglich war. Mit MDD Records schob man ein Jahr später die “Razor”-EP nach und darauf folgte ein Deal mit Nuclear Blast mit dem Debut “Towards The Twilight” 1997. Im gleichen Jahr veröffentlichten die nicht minder talentierten Ferox mit “Prepare For War” ebenfalls ihr Debut, letztere verschwanden aber tragischerweise sehr schnell wieder in der Versenkung.
Night In Gales blieben, entwickelten sich weiter, öffneten sich im neuen Jahrtausend zunehmend stilistisch, um sich von den ursprünglichen Vorbildern aus Skandinavien zu emanzipieren. Die Liebe zum Melodic Death Metal blieb jedoch, bis man 2011 etwas unverhofft und sich etwas unter dem Radar mit “Five Scars” den musikalischen Ursprüngen zuwandte. Spätestens aber mit dem Nachfolger “The Last Sunsets” wurden im Hause Night In Gales der zweite Frühling und der goldene Herbst quasi gleichzeitig eingeläutet. Seither reitet das Quintett, das abgesehen von Drummer Christian Bass (heute Adreano Ricci) und der Phase mit Björn Gooßes am Gesang (1996-2012) heute wieder im Original-Line-Up spielt, auf einer kreativen Welle, während man mit Alben wie “Dawnlight Garden” (2020), “The Black Stream” (2023) vor allem aber mit dem im vergangenen Jahr erschienenen “Shadowreaper” endlich die verdiente Anerkennung für drei Dekaden Death Metal – Underground einfahren darf. Das wissen Night In Gales darüber hinaus heutzutage vor allem auf der Bühne so eindrücklich wie unnachahmlich zu untermauern. Nicht zuletzt waren es die Erlebnisse vor einem Jahr auf dem Jubiläumskonzert von Final Cry in Hannover sowie zuletzt auf dem Party.San 2025, mich mit der Neuaufnahme von “Sylphlike” auseinander zu setzen.
Grundsätzlich waren die sechs Songs “Bleed Afresh”, der Titeltrack, “Avoid Secret Vanity”, “Mindspawn”, das Instrumental “When The Lightning Starts” und “Flowing Spring” für eine so junge Band am Beginn ihres kreativen Schaffens zwar roh und voll von jugendlicher Energie, gleichwohl aber schon beeindruckend ausgereift in Bezug auf die Einflüsse, die der Musik zugrunde lagen. Wie schon erwähnt kracht es auf der ursprünglichen Version bereits an allen Ecken und Enden – rasendes, treibendes Drumming, klirrende, vielfach doppelläufige Gitarren und Melodien und ein Christian Müller, der sich in Anlehnung an Tompa (R.I.P.!!!) und Mikael Stanne die Seele aus den Eingeweiden keifte. Der Sound ist aus heutiger Sicht selbstverständlich nicht perfekt und weit entfernt von “Slaughter Of The Soul” aber eben für die damalige Zeit unter Berücksichtigung, dass es sich um eine Eigenproduktion handelte, aller Ehren wert, so dass sich auch die 1995er-Version trotz vergleichsweise fehlenden Drucks und leicht matschigem Sound immer noch sehr gut hören lassen kann.
Was spricht nun also für eine Neuaufnahme?
Zum einen ist es die Tatsache, dass die EP zuletzt 1999 nachgepresst wurde. Zum anderen ist es die Art und Weise, wie die Band insbesondere “Sylphlike” aber auch “Razor” mittlerweile live zelebriert. Selbstverständlich agieren Night In Gales heutzutage auf einem völlig anderen Level als 1995 und wer die Band in den vergangenen Jahren live erleben durfte, der nimmt der Band definitiv ab, dass man einfach tierischen Bock darauf hatte, die EP noch einmal neu einzuspielen, den Kreis zu schließen und sich nun dreißig Jahre später zum Jubiläum selbst zu beschenken.
Damit habe ich nun einen Teil meiner “Wertung” schon vorweg genommen.
“Sylphlike” 2025 enthält keinen Bonus, keinen Firlefanz, keine “Verschlimmbesserungen” an den Arrangements bzw. den Songs. “Lediglich” alle sechs Songs der ursprünglichen EP in einem kraft- und druckvollen Soundgewand, eingespielt mit der Erfahrung von 30 Jahren und neun Alben im Rücken. Dabei zeigt die nun vorliegende 2025er-Version von “Sylphlike” nicht nur absolut eindrucksvoll, wie zeitlos das Material und wie stark die Songs sind, sondern auch dass Night In Gales sich damit qualitativ rückblickend in keinster Weise hinter den einstigen Vorbildern verstecken müssen.
Für alle, die mit dem Original von “Sylphlike” “groß geworden” sind, ist die Neuaufnahme zwar nicht zwingend essenziell, sie kann aber eine Ergänzung sein, die keinen Fan des Materials enttäuschen wird sowie eine Einladung, die Musik noch einmal neu zu entdecken. Diejenigen, denen es durch die Gnade der frühen Geburt nicht vergönnt war, die EP zu Zeiten Ihrer Erstveröffentlichung oder dem Re-Release zu entdecken und die Night In Gales erst mit den Veröffentlichungen der letzten Jahre kennengelernt haben – ja für Euch ist “Sylphlike” 2025 fast eine Pflichtveranstaltung, mit der sich der musikalische Kreis nach dem bockstarken “Shadowreaper” schließt!
01 - Make Mittelalter Great Again (03:53) 02 - Nein, Mann! (03:51) 03 - Alle sagen das (03:45) 04 - Trollwut (03:26) 05 - Nacht über Leben (03:57) 06 - How much is the Fish? (03:46) 07 - Gott Mensch (04:29) 08 - Mittelalter Dance Metal (03:42) 09 - Dr. met (03:26) 10 - Kloppt euch doch (04:25) 11 - Dunkelheit (04:25)
Video URL: https://www.youtube.com/watch?v=jFCSj9c7G0o, Video - Titel: Vogelfrey - Make Mittelalter Great Again feat. @AsenblutTv (Offizielles Musikvideo), Objekt - Position: Links
Tracklist / Songs: 1. Ratlicker 2. Powdered Nostalgia 3. Making Nails 4. Leviathan Carcass 5. Dead Optimists 6. Pigfucker 7. Micron-Thick Skin 8. Good Art by Shit People 9. Hagiographers 10. Loud, Confident, and Wrong 11. Others' Interests 12. Half a Puppy
Nach einem Demo dass es mit seinen drei Songs auf knapp zweieinhalb Minuten gebracht hat, legt der Brite nun den fast schon episch langen Erstling vor.
´Leviathan Carcass´ bringt es mit 12 Tracks fast auf eine Viertelstunde. Damit ist das Genre wohl klar, es gibt Grindcore auf die Ohren. In der Regel geht es beim Grindcore inhaltlich ja um eines der drei Ps: Porno, Pathologie oder Politik. Neil Erskine, der alles selbst eingespielt bzw. eingeschrien hat, hat sich für die Politik entschieden, das P ist mir auch das liebste. Dazu passt, dass das Album in Eigenregie veröffentlicht wird. Es ist schön zu sehen, dass der DIY-Gedanke gerade in dieser Szene noch gelebt wird.
Und wer sich mit Politik beschäftigt, hat schnell genug Aggression und Galle angehäuft, um ein solches Album rauszubringen. Die Tracks bieten überdurchschnittlichen Grindcore, der kompromisslos nach vorne brettert, sich aber nie im Chaos verliert. Bei ´Dead Optimists´ geht CHAIRMAKER dann auch mal vom Gas, was dazu führt, dass das Album nicht einfach an mir vorbeirauscht.
Nach den Verfolgen der Nachrichtenlage bietet sich ´Leviathan Carcass´ hervorragend zum Abreagieren an. Darüber aber bitte nicht vergessen, das zu tun, was man kann, damit sich was verändert, da sind wir wieder beim DIY.
01. May The Bridges We Burn Light The Way 02. My Pain 03. The Last Hero 04. The Darkest City 05. Walking Ghost Phase 06. Ignite The Flame 07. Streets Of Rage 08. Barricades 09. Road Closed Ahead
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt:
Jukka Pelkonen – vocals Markus Vanhala – guitars, clean vocals Aapo Koivisto – keyboards Mikko Kivistö – bass, clean vocals Atte Pesonen – drums
Die Finnen von Omnium Gatherum waren schon immer gut darin, die Grenzen des melodischen Death Metal auszuloten, indem sie ihren Sound mit klassischen heavy-metallischen auf der einen Seite sowie mit experimentellen progressiven Elementen auf der anderen Seite anreicherten.
Mit Try to Survive melden sich SNAPPED aus Hannover mit ihrem Albumdebüt und lassen es direkt ordentlich scheppern. Zwischen all dem Potenzial wird klar: Da ist noch Luft nach oben – aber was die Band hier abliefert, ist ein außerordentlich gelungenes Erstlingswerk, das definitiv Lust auf mehr macht.
Die Apokalyptischen Reiter werden 30 und zelebrieren dieses Jubiläum mit einer musikalischen Box, die erstmals im Eigenverlag erscheint. Die Box umfasst ein Vierfach-Vinyl, welches konzeptionell in “Der Freiheit Vaterland”, “Rache an der Wirklichkeit”, “Die Schatzinsel” und “Die Wanderer” unterteilt ist. Der Opener umfasst die elfmintütige Reiter-Hymne der imaginären Reiter-Republik. “Rache an der Wirklichkeit” ist eine EP, die vier weitere neue Studio-Tracks enthält. “Die Schatzinsel” enthält bisher Unveröffentlichtes aus dem Band-Archiv, u. a. einen Remix, Akustik- und Live-Versionen, während “Die Wanderer” einen Akustik-Life-Set enthält.
Insgesamt rund 90 Minuten Material. Die Artworks der vier Tonträger bilden das Spielbrett für das “Wissen, Action, Reitermania”-Spiel, in dem man sich als Reitermaniac beweisen kann. Gespielt wird zu viert mit apokalyptischen Zinnfiguren. Oben drauf erhält man noch einen Reise-Pass für die Freie Republik Reitermania inkl. Verfassung sowie eine Urkunde und 5 Reitermaniacs, die als Währung auf den Headliner-Shows der Reiter einlösbar sind. Soviel zum Rahmen und Gesamtpaket, aber nun zur Musik:
Die Apokalyptischen Reiter sind zweifelsfrei eine der herausragendsten, prägendsten und schillernsten Bands der deutschen Metal-Szene in den vergangenen Dekaden. Dabei sind die Weimarer Paradiesvögel, die aus der Ursuppe von Disaster K.F.W. hervorgegangen sind, immer konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste ihren eigenen Weg gegangen. Egal ob Grindcore, Klavier, bombastische Keyboards, Death- und Black Metal-Roots, Pop-Songs, Folk- und Schlager-Einflüsse, die Reiter haben es durchgezogen. Zwischen Pathos, Kitsch, Selbstbeweihräucherung und -ironie – sowohl auf den 11 Longplayern, wie auch bei den Live-Konzerten wandeln die Reiter seither zwischen Genie und Wahnsinn durch die Szene.
"Soft And Stronger” (1997), “All You Need Is Love” (2000), “Have A Nice Trip” (2003), “Riders On The Storm” (2006), “Moral und Wahnsinn” (2011) und zuletzt “Tief.Tiefer” (2014) sind für mich entweder persönliche Klassiker, die bis heute Maßstäbe setzen oder Alben, auf denen es Die Apokalyptischen Reiter immer wieder schafften, sich neu zu definieren. Zur Wahrheit gehört für mich allerdings auch, dass die Reiter dazwischen auch immer wieder Alben veröffentlicht haben, die zwar gut bis okay waren und die ich nicht aus meiner Sammlung schmeißen wollen würde, aber die trotz meiner innigen Beziehung zur Band nicht essenziell sind. Den Tiefpunkt markierte für mich “Der rote Reiter” (2016), während “Wilde Kinder” (2022) zuletzt wieder in die richtige Richtung ging. Allerdings markierte das bisher letzte offizielle Album der Band eine Zäsur. Gründungsmitglied Dr. Pest räumte den Platz hinter den Keys, es folgte der Ausstieg von Ausnahme-Trommler Sir. G. (ersetzte Ur-Trommler Skelleton nach “Allegro Barbaro” (1999)) und auch Ady, immerhin seit “Moral und Wahnsinn” an der Gitarre, verließ die Band. Keine Frage, dass sich die verbliebenen Reitermaniacs Fuchs und Volk-Man vermutlich erstmal schütteln und neu orientieren mussten.
“Freie Republik Reitermania” ist somit Neuanfang und Retrospektive zugleich. Zu Pferde hat man in Titus Maximus an der Gitarre und den Keys sowie Rohgarr am Schlagzeug zwei neue loyale Mitstreiter gefunden. Dafür hat man sich vom langjährigen Label Nuclear Blast getrennt und sich dazu entschlossen, die aufwändige Veröffentlichung in Eigenregie anzugehen.
Was die sechs neuen Lieder der Reiter angeht, die auf dem ersten Tonträger “Der Freiheit Vaterland” und auf “Rache an der Wirklichkeit” verteilt sind, fällt das Fazit geteilt aus. Der Titeltrack fungiert als Hymne der ausgerufenen Reiter-Republik und ist ein elfminütiges Epos, das alle Trademarks, die die Apokalyptischen Reiter in den letzten zwei Dekaden ausgemacht haben, in beeindruckender Weise bündelt: Härte, Heavyness, Pathos, Melodien, Bombast, brachiales Schlagzeug, der variable Gesang, das Gebrüll und Gekeife von Fuchs und Volk-Man. “Rache an der Wirklichkeit” nimmt mich beim Text etwas mehr mit und ist ein groovender Brecher, der sich in jeder Minute Spielzeit mehr intensiviert und wächst. Es folgt mit “Weiße Pferde” ein für die Reiter so typischer Ritt auf der Rasierklinge zwischen Kitsch und Pathos. Eine kraftvolle Powerballade, die nicht nur in Verbindung mit den Bildern des überragenden Musikvideos im Kopf bleibt. Melancholie und Sehnsucht – bittersüß, vertont, das ist und bleibt Kernkompetenz der Apokalyptischen Reiter. Danach geht es deutlich seichter und mit mehr positiven Vibes nach vorne. Sowohl “Ich bin Dein Freund” und “Danke” hätten beide prima auf die von mir weniger geschätzten “Samurai” (2004) oder “Licht” (2008) gepasst. Dazwischen beschwöhrt “Wir sind, weil ihr seid” wieder etwas episch und stampfend die Verbindung zwischen den Reitern und ihrer treuen Fanbase, die ohne Frage ganz besonders ist.
Ich bin gespannt, in welche Richtung sich Die Apokalyptischen Reiter auf dem zwölften Album entwickeln werden. Fest steht, dass sich Fuchs und Volk-Man mit Titus Maximus und Rohgarr rein musikalisch zwei absolut versierte Recken an die Seite geholt haben, die sich ohne Brüche in das musikalische Gefüge integriert haben und mit der einen oder anderen Finesse bei den neuen Songs zu überzeugen wissen.
“Die Schatzinsel” sowie “Die Wanderer” sind aus meiner Sicht Bonus für Komplettisten sowie die Diehard-Reitermaniacs. “Die Sonne scheint” ist im Original schon keiner meiner Faves, der Elektro-/Dance-Remix verzichtbar, “Erhelle meine Seele” erreicht in der Akustik-Version auch nicht annähernd die Intensität des Originals. Bei “Die Wanderer” handelt es sich um einen kompletten Live-Akustik-Set aus dem Jahr 2015, mitgeschnitten im F-Haus Jena, bei dem insbesondere die Cover von “Ghostriders In The Sky” sowie “Dschinghis Khan” für mich herausstechen. Darüber hinaus haben die Reiter einfach mit “Tiefer” (2014) unplugged-akustisch Highlight bereits abgeliefert, genauso wie “Tobsucht” (2008) live für mich das Opus magnum ist.
“Freie Republik Reitermania” ist auf 500 Einheiten limitiert und ist ausschließlich über den Fanshop der Apokalyptischen Reiter erhältlich.
Die Tage werden kürzer, die Dunkelheit nimmt zu und waberndes Grau bestimmt mitunter das triste Dasein in dieser Jahreszeit. Umso wichtiger ist es dann, etwas Farbe in den düsteren Alltag zu bringen. Dazu ist das neue Album der alternativen Punk Rocker von Statues bestens geeignet.
Tracklist / Songs: 1 Black Knight 2 Ghost of a Warrior 3 The Graveyard 4 Through the Mountains (Elephant's Song) 5 Vengeance is Mine 6 The Geisha and the Ronin 7 Hand of Tyr 8 Shadow Thirst – A Nosferatu Trilogy: Act 1 - The Awakening 9 Shadow Thirst – A Nosferatu Trilogy: Act 2 - The Reign 10 Shadow Thirst – A Nosferatu Trilogy: Act 3 - The Fall
Tracklist / Songs: 01 - Indigenious Inquisition 02 - Storm The Gates 03 - Nihilist 04 - No Pain = No Power 05 - Ghenna 06 - Black Hole Scum 07 - Favela _ Dystopia 08 - Always Was, Always Will Be 09 - Soulfly XIII 10 - Chama
Lineup / Setlist / Bands:
Inhalt:
Max Cavalera – Gesang, Gitarre Zyon Cavalera – Schlagzeug Igor Amadeus Cavalera – Bass (bei mehreren unspezifizierten Songs) Mike DeLeon [Flesh Hoarder; Phil Anselmo And The Illegals] - Gitarre
Gäste Dino Cazares [Fear Factory] – Gitarre bei No Pain = No Power Michael Amott [Arch Enemy] – Gitarre bei Ghenna Todd Jones [Nails] – Gesang bei Nihilist, gewidmet L.G. Petrov [†; Entombed] Ben Cook [No Warning] – Gesang (nicht näher spezifiziert) Gabe Franco [Unto Others] – Gesang (nicht näher spezifiziert)
Es gab ein bisschen Herausforderung bzgl. der Bereitstellung des Bemusterungsmaterials. Wo die Ursache zu suchen ist, ist jetzt egal. Mit einem Redaktionsmitglied gab es einen Schnack darüber. Er ließ sich wie folgt ein: "Aber Soulfly sind ja zum Glück eh mies.... :-)". Du muss nach auditiver Sichtung des Materials der notorische Mucker feststellen: Ähm, nö!
Linnea Hjertén – Steg för steg: Eine Reise durch Ritual, Feuer und Einsamkeit
Mit „Steg för steg“ setzt Linnea Hjertén ihre musikalische Entwicklung fort und erweitert zugleich ihr Spektrum. Wer ihre vorherige Veröffentlichung Nio systrar kennt, erkennt sofort die vertrauten Wurzeln - Volksinstrumente aus Schweden, eine ritualhafte ambient-artige Stimmung, doch dieses Album öffnet sich stärker für persönliche Texte und eine spürbare Weiterentwicklung.
Schon der Einstieg mit „Jag lutar mig in i rädslan“ zeichnet ein Bild von Zerbrechlichkeit und Intimität. Hjerténs Stimme dient nicht nur dem Gesang, sondern trägt Atmosphäre, Erinnerungen und introspektive Tiefe. Die Instrumentierung – Nyckelharpa, Moraharpa in Moll-Modi, verankert das Werk tief in nordischer Melancholie.
Doch „Steg för steg“ bleibt nicht bei folkloristischen Klängen stehen: In „Blodmåne“ etwa mischt sich Kulning – der alte nordische Hirtenruf – mit Drones und Pulsrahmen. Das erzeugt ein ganz eigenes Ritual-Ambient-Gefühl: archaisch und modern zugleich.
Die Produktion bleibt bewusst zurückhaltend: wenig Studio-Glanz, viel Raum für Stimme und Klang. Hjertén übernimmt Aufnahme und Mischung selbst – das schafft eine intime Nähe zum Hörer.
Thematisch kreist das Album um Übergänge: Furcht, Schritt für Schritt, Feuer, Einsamkeit, Asche – vom Inneren zur Transformation. „Alltet är intet“ und „I eld“ reflektieren Auflösung und Neubeginn, „Ensamhet så underbar“ feiert die Einsamkeit als möglichen Raum der Selbstwerdung. Der Schluss mit „I aska“ bringt ein Gefühl von Erneuerung nach dem Zerfall.
Für Hörer, die sich auf Klangräume einlassen möchten, in denen Folk-Wurzeln, Natur-Spiritualität und ambientartige Klangflächen verschmelzen, ist dieses Album ein lohnendes Erlebnis. Wer allerdings eher rhythmusbetonte Pop-Strukturen sucht, wird hier weniger fündig, der Fokus liegt auf Stimmung und Innerlichkeit.
Fazit
„Steg för steg“ von Linnea Hjertén ist ein stilles, aber tief bewegendes Werk. Es ist kein Album, das mit lauten Gesten überzeugt – vielmehr entfaltet es seine Wirkung Schritt für Schritt, genau wie der Titel verspricht. Linnea Hjertén führt die Hörer/innen auf eine innere Reise durch Natur, Erinnerung und Selbstreflexion, getragen von einer beeindruckenden Kombination aus nordischer Volksmusik, Ambient-Klangkunst und spiritueller Intimität.
Es richtet sich an Hörer/innen, die bereit sind, innezuhalten, zuzuhören und sich von subtilen Klangfarben tragen zu lassen. Wer Musik sucht, die laut oder rhythmisch eingängig ist, wird hier weniger fündig. Doch wer Tiefe, Authentizität und nordische Mystik schätzt, wird mit „Steg för steg“ eine wahre Perle entdecken.
Sabaton – Legends: „Im Namen der Legende: Sabaton bleiben die Stimme der Geschichte“
Im Gegensatz zu vielen ihrer vorherigen Alben, die häufig moderne Konflikte und Kriegs-Themen aufgreifen, richtet sich das Album diesmal auf legendäre Gestalten und Ereignisse der früheren Geschichte – Ritter, Imperien, Feldherren.
Mit Legends schlagen Sabaton ein neues erzählerisches Kapitel auf: weg von den Weltkriegen, hinein in die Hallen der Geschichte, wo Persönlichkeiten zu Symbolen wurden. Das Album fühlt sich an wie eine musikalische Chronik, jede Nummer beleuchtet eine Figur, die durch Mut, Mythos oder Macht zur Legende wurde.
Musikalisch bleibt Sabaton der epischen Klangfarbe treu: große Chöre, orchestrale Keyboardflächen und Gitarren, die marschieren statt nur zu riffen. Doch die Band zeigt hier auch mehr Dramaturgie in der Songstruktur. „A Tiger Among Dragons“ nimmt sich Zeit zum Aufbau, während „The Duelist“ mit Tempo und direkter Hook sofort zupackt. Der Einsatz von Akzenten unterschiedlicher Kulturen — etwa orientalische Motive in „Hordes of Khan“ oder mittelalterliche Harmonien in „Templars“ — verleiht dem Album zusätzliche Farbe.
Besonders hervorzuheben ist die Stimmperformance von Joakim Brodén: ausdrucksstark wie immer, aber mit mehr emotionalem Spektrum. Auch die Produktion sitzt klar und druckvoll, jeder Refrain wirkt wie für große Festivalbühnen gemischt. Trotz des typischen Bombasts wirkt Legends nicht überladen: die Songs sind fokussiert, direkt und auf Wirkung komponiert.
Stärken
Die Band zeigt erneut großes Gespür für epische, geschichtsträchtige Themen – von den Templern bis zu Genghis Khan und darüber hinaus. Dieses narrative Konzept verleiht dem Album Tiefe und ein „größeres“ Gefühl.
Der Sound bleibt kraftvoll – typische Sabaton-Chöre, markante Gitarrenriffs, eingängige Refrains. Für Fans, die gerade genau das mögen, ist das ein Plus.
Obwohl das Konzept festgelegt ist, gelingt es dem Album, sich in Stimmung und Atmosphäre etwas zu variieren – etwa in Tempo, Dynamik und Stilmitteln (z. B. ruhigere Passagen).
Schwächen
Mit einer Länge von unter 46 Minuten bleibt wenig Raum für ausgedehnte musikalische Experimente oder wirklich lange Tracks – manche Lieder wirken eher kurz und wirken, als könnten sie mehr Tiefe vertragen.
Wer Sabaton kennt, weiß, was kommt – das Album bietet wenig radikal Neues, sondern eher eine Weiterführung des bewährten Stils. Für jene, die eine massive Stiländerung erwartet haben, könnte das etwas enttäuschend sein.
Einzelne Songs stechen stärker hervor als andere; nicht jeder Track erreicht das hohe Niveau der stärksten Stücke.
Fazit & Bewertung Insgesamt ist „Legends“ ein solides und ambitioniertes Album. Es erfüllt fast voll das, was man von Sabaton erwartet: epische Themen, eingängige Metal-Hymnen, gute Produktion. Es ist nicht revolutionär, aber sehr gut gemacht, insbesondere für die Zielgruppe.